Star Wars: Lords of the Sith

Je näher der Starttermin von “Episode VII – The Force Awakens” kommt, desto größer wird auch mein Interesse und meine Neugierde jeden noch so kleinen Winkel des Star Wars Universums zu erforschen. Über das neue Universum, welches seit der Übernahme von LucasFilm durch Disney geradezu florieren schein, werde in den nächsten Tagen einen Artikel veröffentlichen. Mit den Comics bin ich, bis auf die einzelnen Mini-Serien rund um Leia, Chewie und co. (hier warte ich auf die Trades) schon auf dem Laufenden. Jetzt widme ich mich verstärkt den Büchern und welch besseren Einstieg gibt es dafür, als eine Geschichte um Darth Vader…

  • Titel: Star Wars – Lords of the Sith
  • Autor: Paul S. Kamp
  • Sprecher: Jonathan Davis
  • Dauer: 10h 56min.

“The forest went silent for a moment in the wake of the explosions with only Vader’s breathing to disrupt the silence…”

Die Geschichte des Buches, welches ich mir als Hörbuch bei Audible geladen habe, spielt zwischen Episode drei und vier. Vader und der Imperator sind auf einer Reise nach Ryloth, dem Heimatplaneten der Twi’leks. Dieser beherbergt viele Ressourcen, doch die aufstrebende, rebellische Organisation “Free Ryloth Movement” positioniert sich immer stärker und als die beiden Sith-Lords bei dem Planeten ankommen, sehen die Rebellen ihre Chance, die beiden ein für alle mal zu vernichten und die Galaxie von ihren Klauen zu befreien.

Hier wird gleich am Anfang deutlich, dass es sich zwar um ein starkes, aber junges Imperium handelt. Darth Vader kennen zwar einige als die rechte Hand und teilweise auch als Leibwächter des Imperators, doch was er kann, welche Fähigkeiten er besitzt, wissen nur die wenigsten. Vor allem die Rebellen, welche noch nie direkt mit ihm zu tun hatten, haben es schwer, sich ein Bild von ihm zu machen. Dieser Aspekt, die Erschaffung einer Legende, funktioniert im Buch äußerst gut, doch dazu später mehr.

Als Leser bzw. Zuhörer wird man Zeuge von zwei Seiten einer Medaille, die emotional bewegen und einen in ihrem Strom gefangen nehmen. Auf der einen Seite die verzweifelten Rebellen, die Jahre investiert haben, um ein ungeheures Netzwerk aufzubauen. Dabei haben sie selbst beim imperialistischen Militär verbündete gefunden, die ihnen beim Anschlag zur Seite stehen. Auf der anderen Seite, noch die doch recht junge Beziehung zwischen Meister und Schüler, die dennoch Bedingungslos zu sein scheint – jedenfalls im Rahmen der Sith-Regeln.

Um einen Punkt Vader betreffend deutlich zu machen, muss ich kurz zu den Filmen abschweifen. Man kann ja von den Prequels halten was man möchte, doch sie haben dem finsteren, mysteriösen Darth Vader, der das absolut Böse repräsentiert hat, einen deutlichen Dämpfer versetzt – keine Star Wars Geschichte geht vorbei, wo man nicht an den komischen, weinerlichen Hayden Christensen denkt, dessen Anakin Skywalker – ach lassen wir das. Es tat dem Mythos Vader jedenfalls nicht gut und dieser Roman macht sehr vieles richtig, um so manche Fehler der Geschichte wieder auszubügeln und Vader zu dem zu machen, was er eigentlich sein soll. Eine Naturgewalt. Das absolut Böse. Ein Lord der Sith.

Das ganze Buch scheint darauf aus zu sein, den geschädigten Ruf von Darth Vader wieder herstellen zu wollen und dies gelingt vorzüglich. Die Legende wird hier geboren und wird sich langsam durch die Galaxis verbreiten und immer wüstere Formen annehmen, bis er zu dem wird, den wir in “A New Hope” kennen lernen und mit seiner eigenen Comic-Reihe noch näher erleben dürfen. Geschickt webt der Autor auch seine Vergangenheit mit ein und beschreibt den immer währenden Konflikt zwischen ihm und seinem Meister.

Eine bestimmte Szene mit Vader ist mir besonders im Gedächtnis geblieben, die ich euch nicht vorenthalten möchte, da sie die Gestalt Vader so zeigen, wie ich sie gerne in einem “Star Wars” Rogue Film sehen würde. Der Star Destroyer des Sith-Lords wird von einem Schiff der Rebellen angegriffen und Vader stellt sich mit seinem individualisiertem Fighter den Feinden. In einer der unglaublichsten Stunts der Star Wars Geschichte, die ich hier nicht verraten möchte, gelangt er an Bord des Schiffes. Ein zweites Rebellenschiff befindet sich in der Nähe und muss tatenlos den Geschehnissen lauschen, wie Vader “single-handedly”, die Besatzung der Crew tötet. Diese Sequenz wird gänzlich aus der Perspektive des Captains auf dem Schiff geschildert und ist der pure Horror. Niemand weiß wirklich, was Vader kann und zuzuhören, wie er durch das Raumschiff tobt, jeden ausschaltet, der sich ihm in den Weg stellt, bis nur mehr sein ikonisches Atmen zu vernehmen ist, ist pures Hörvergnügen.

Die Rebellenseite ist auch sehr spannend und interessant dargestellt. Die dramatische Geschichte um Isval und ihre Gefolgschaft ist mitreißend, ihre Leidenschaft und Hingabe für die Mission mit so viel Gefühl und Liebe zum Detail erzählt, dass es wirklich bis zum Schluss Spaß macht, die Geschichte zu verfolgen. Leider, so ist es mir zumindest ergangen, dienen deren Handlung oft nur als Brücke zwischen den Ereignissen mit Vader. Zu präsent erscheint der Sith-Lord.

Das Hörbuch selbst, ist anders als so manche, die ich bisher gehört habe und ich weiß noch nicht, ob es Standard bei Star Wars Hörbüchern ist, da es mein erstes war. Die Erzählung wird von einer gewaltigen Soundkulisse begleitet. Schiffe brummen, Schüsse ertönen, Musik unterstreicht die Handlung, Vaders atmen dröhnt über die Kopfhörer ins Ohr – es ist eine wirklich fantastische Inszenierung und trägt einiges dazu bei, dass sich im Kopf des Hörers ein Film abspielt. Doch inmitten als dieser Ergänzung steht die Leseleistung von Jonathan Davis. Er liest das Buch mit solch Inbrunst und Leidenschaft, dass es schwer fällt aufzuhören. Meinen Favoriten, David Nathan kann er zwar nicht das Wasser reichen, doch er baut eine gute Atmosphäre auf und verleiht jedem Protagonisten seine eigene Stimme, womit es einfach wird, Unterhaltungen zu folgen und es beinahe überflüssig wird, zu verlesen, wer gerade spricht.

Ich kann das Buch nur jedem Star Wars Fan empfehlen. Soweit ich weiß, gibt es dieses im Moment nur auf englisch, es wird aber sicher nicht mehr lange dauern, bis es auch auf deutsch erhältlich sein wird. Mein nächstes Buch aus dem neuen Universum habe ich mir auch schon ausgesucht und spielt zur selben Zeit. “Tarkin” ist der Titel und ich bin sehr gespannt, wie sich seine Geschichte mit der von Vader verwebt, bis sie ihren Gipfel mit dem bau des ersten Todesstern erreicht. Ich halte euch auf dem laufenden.

Viel Vergnügen
Chris