The Walking Dead: The Whisperer War

Negans Absichten sind immer von sehr schwammiger Natur. Welches Ziel verfolgt er tatsächlich? Was ist sein Plan? Wie wir im Handlungsbogen “The Whisperer War” erfahren, saß er nicht nur ein paar Monate in Alexandria in Haft, sondern mehrere Jahre. Die Frage ob er sich schließlich geändert hat und nun auch an Rick glaubt, wird am Ende beantwortet. Beim letzten Mal hat er in einem höchst dramatischen Akt gegen die Anführerin der Whisperers aufbegehrt und Alpha getötet. Nun ist er auf dem Weg zurück, um Rick den Kopf von ihr zu bringen.

The Walking Dead #157 bis #162

  • Creator, Writer: Robert Kirkman
  • Penciler: Charlie Adlard
  • Inker: Stefano Gaudiano
  • Gray Tones: Cliff Rathburn
  • Letterer: Rus Wooton

“The Wisperer War” ist eine dicht gepackte Geschichte und es passiert sehr viel in jeder einzelnen Ausgabe. Um diesen Workload, um einen hübschen neudeutschen Begriff zu benutzen, zu schaffen, sind die einzelnen Ausgaben in einem 16er Panel-Raster aufgebaut. Ich muss allerdings zugeben, das mir dies nur unbewusst aufgefallen ist und erst als das Thema in den Letter-Pages angesprochen wurde, konnte ich die Vorzüge dieser Technik voll und ganz genießen. Als Leser bekommt man mehr geboten – es wird bewusst das Tempo gedrosselt und man muss sich für das Lesen mehr Zeit lassen. Interessant, welche Auswirkungen unterschiedliche Panel-Strukturen haben. Doch nur weil man ein 4×4 Raster verwendet, bedeutet dies nicht, dass nicht manche Panels zu einem zusammengefasst werden, oder zwischendurch beeindruckende doppelseitige Zeichnungen das Geschehen einfangen. Mehr Panels bedeuten jedoch mehr Zeichnungen und damit mehr Aufwand für Charlie Adlard und seine Kollegen. Trotzdem sehen die Darstellungen wie gewohnt fantastisch aus und lassen keine Wünsche offen.

Nun aber genug Comic-Theorie für heute. Kommen wir zum tatsächlichen Inhalt: Nach Alphas Tod herrscht ein gewisses Machtvakuum in den Reihen der Whisperers und die Frage nach einem Nachfolger wird laut. Zum Glück hat Alpha selbst bereits Beta in Stellung gebracht, der als Nummer 2 ein gutes Leben hatte. Nun wird er in die Führungsrolle gezwungen. Im Laufe der Geschichte und vor allem beim ersten Aufeinandertreffen mit Ricks Gruppe, kommt immer mal wieder die Diskussion auf, wer sich eigentlich unter der Maske versteckt. Warum macht er darum so ein großes Geheimnis? Niemand der Whisperer scheint jemals sein Gesicht gesehen zu haben. Was ist passiert? Hat er eine schreckliche Verletzung, der er nicht zeigen möchte? Dies halte ich eher für unwahrscheinlich, da er mir nicht der Typ zu sein scheint, der sich so etwas zu sehr zu Herzen nimmt. Vielmehr wird es wohl tatsächlich darum gehen, wer er ist? War er eine berühmte Persönlichkeit oder ist er jemand, den wir kennen und tatsächlich ein bisschen Vendetta-mäßig gegen Rick und seine Gruppe vorgehen will.

Nach dem letzten Kampf und großen Verlusten, darunter Ezekiel, herrschen auch in Ricks Bündnis gewisse Spannungen. Die Saviors wollen sich mal wieder alle Untertan machen und das Kingdom ist sich uneins, wer den nun der neue Anführer werden soll. An dieser Stelle finde ich es erstaunlich, dass Rick nicht als Ratgeber eingesetzt wird und sich darum gekümmert hat, dass jemand qualifiziertes und angesehenes die Rolle übernimmt. Doch er ist eher damit beschäftigt herauszufinden, was mit Negan passiert ist, bis dieser schließlich wieder vor der Tür steht. Die Dynamik zwischen beiden Charakteren, die sowohl in der Serie, als auch hier im Comic sehr gut funktioniert, ist jedes Mal ein kleines Highlight. Immer wieder umkreisen sie sich und wagen sich ein Stück näher an den anderen heran. Können sie sich vertrauen oder nicht? In diesen wenigen Ausgaben, die die Storyline einnimmt, lernen wir mehr über Negan, als in den gesamten Ausgaben davor. Wir lernen zum Beispiel die Bedeutung von Lucille kennen.

Auch wenn der Kriegsaspekt sehr gut rüber kommt, ist es “a different kind of war”. Sie müssen nicht nur gegen die Whisperers vorgehen, sondern auch gegen ihre Heerscharen von Walkern, unter denen sie sich verstecken. Doch die Anführer, die Rick auserkoren hat, um sie zurückzuschlagen, darunter Dwight und Jesus, machen einen herausragenden Job und schrecken vor keiner Technik zurück, um ihre Reihen zu beschützen. Es entstehen gewaltige Bilder, die das Meer an Untoten perfekt in Szene setzen. Vor allem der Kontrast zur teils poetischen Sprache in den Dialogen, trägt ihr übriges zur spannenden Atmosphäre bei.

Als letztes möchte ich schließlich noch Eugene erwähnen, der ebenfalls sehr beeindruckend seine Hingabe für die Sache zeigt. Er kommt sich interessanterweise immer noch so vor, als würde er keinen bzw. einen zu geringen Beitrag leisten. Zwischendurch setzt er die Konversation mit seiner Funkgeräte-Bekanntschaft fort. Dieser Subplot dauert noch schon eine Weile an und ich bin sehr gespannt, wie die Auflösung dazu aussieht. Und vor allem wann wir sie zu sehen bekommen. Hilft die Unbekannte gegen die Whisperers oder handelt es sich um die nächste Bedrohung, die Rick und co. überstehen müssen?