Ultimate Spider-Man Vol. 17

Klone spielen bei Spider-Man seit jeher eine wichtige Rolle und so war es nur eine Frage der Zeit, bis sich auch Brian Michael Bendis diesem Thema widmet. Dabei trifft es sich natürlich äußerst gut, dass wir dann auch die 100. Ausgabe während dieser Saga feiern. Ein ungutes Gefühl hatte ich während des Lesens aber trotzdem, den teilweise werden ziemlich harte Geschütze aufgefahren und Peter vor nichts und niemandem verschont.

Ultimate Spider-Man Vol. 17: Clone Saga

  • Ausgaben: #97-105
  • Erscheinungsdatum: 2007
  • Writer: Brian Michael Bendis
  • Artist: Mark Bagley
  • Inks: John Dell & John Sibal & Drew Hennessy
  • Colors: Richard Isanove, Justin Ponsor
  • Letters: VC’s Cory Petit

“We can cure you, too. You don’t have to be Spider-Man anymore. It’s your choice.” – Reed Richards

Die Geschichte beginnt mit einer ordentlichen Portion Drama, wenn auch dieses für mich nicht ganz nachvollziehbar ist. Peter und Kitty führen eine Fernbeziehung, auch wenn sie mit dem X-Jet in der Lage ist in einer halben Stunde in New York zu sein, liegt trotzdem eine große Distanz zwischen ihnen. Zudem sind die X-Men vom Professor unter Hausarrest gestellt, nachdem was auf Krakoa passiert ist. So ist es wenig verwunderlich, dass sich Peter bei Problemen an MJ wendet, die greifbar und einfach für ihn da ist. Das Kitty hier die Eifersüchtige spielt, finde ich nicht ganz nachvollziehbar. Vielleicht das sie sich Sorgen macht, ja, aber sie reagiert vollkommen überzogen, geradezu aggressiv auf Peter. Ganz so, als wollte sie, dass er die Freundschaft zu MJ beendet – was nach ihrer langen Geschichte wenig wahrscheinlich, geschweige denn möglich wäre. Zugegeben, am Ende stellt sich diese Sorge als berechtigt heraus, aber zu Beginn der Geschichte schien doch alles gut zu laufen, warum brüllt sie Peter dann am Telefon an?

Ich für meinen Teil finde es klasse, dass MJ und Peter weiterhin als Freunde etwas unternehmen können und sie sich verstehen. Immerhin hat Peter, wie er auch selbst anmerkt, keine wirklichen Freunde, die auch sein Geheimnis kennen. Da ist MJ die Einzige und es ist schön, wenn sowohl er als auch sie mit Problemen zum anderen kommen kann und sie dann gemeinsam darüber reden. Doch wie so oft ist die Ruhe von nicht all zu langer Dauer, da ein Typ im Scorpion-Anzug die Mall angreift. Dieser ist auf der Suche nach Peter und macht einen völlig verrückten Eindruck. Knapp kann Peter ihn besiegen und bringt ihn unverzüglich zum Baxter Building – dem Hauptquartier der Fantastic Four. Dort stellt sich heraus, dass der Typ im Scorpion-Anzug ein Klon von Peter ist. Parallel dazu, wird MJ auch noch von einem Unbekannten entführt.

Dies ist die Ausgangslage der Geschichte und auch wenn sie unscheinbar mit ein paar Mysterien hier und da beginnen mag, entwickelt Bendis diese schnell zu einer kranken Klon-Story, die ich so nicht erwartet hätte. Oft stößt Peter dabei an seine Grenzen und ist mit unmöglichen Situationen konfrontiert. Da bekommt man selbst als Leser ein ungutes Gefühl in der Magengegend und ist froh, dass Peter die FF eingeschaltet hat – so hat er wenigstens ein paar Verbündete auf die er zählen kann, auch wenn ihn sonst jeder Fallen lässt, sogar Tante May.

Kümmern wir uns erst einmal um die Geschichte von ihr. Peter ist auf der Suche nach der Vermissten MJ und sucht diese sowohl in einer alten Fabrik (wir erinnern uns ein paar Storylines zurück), als auch in ihrem alten Haus. Doch statt MJ findet er Gwen, die dort verwirrt herum steht. Nach dem ersten Schock (sie ist immerhin von Carnage getötet worden), dass diese am Leben ist (sie ist ebenfalls ein Klon, wie sich später heraus stellt), kommt auch noch Tante May zu der Situation hinzu. Da Peter keine Erklärung einfällt, tut er das, was er eigentlich immer vermeiden wollte: Er sagt Tante May, dass er Spider-Man ist. An dieser Stelle hätte ich eigentlich erwartet, dass sie etwas besser reagiert, denn niemand kann mir erzählen, dass May nicht zumindest eine entfernte Ahnung hat, dass ihr Neffe Spider-Man ist. So blind kann niemand sein. Dazu ist einfach zu viel vorgefallen in den vergangenen Ausgaben, als das sie es nicht mitbekommen hätte. Stattdessen, und auch diese Reaktion ist in gewisser Weise nachvollziehbar, fühlt sie sich betrogen und angelogen und sagt diverse Dinge, die Peter tief verletzen. Diese gehört wohl zu den bisher emotionalsten und schockierendsten Szenen. Doch die Geschichte ist noch lange nicht am Höhepunkt angekommen. Denn auch wenn Peter einem zu diesem Zeitpunkt leid tun könnte, so kommt auch noch Richard Parker durch die Tür herein spaziert – Peters, ebenfalls seit langem verstorbener Vater.

Dieser dominiert dann auch die 100. Ausgabe und liefert uns eine Menge Hintergrundwissen, warum er noch am Leben ist, dass er für die Regierung arbeitet (weil diese Nick Fury nicht vertraut und eine Alternativlösung parat haben möchte, sollte dieser endgültig die Kontrolle verlieren) und das Peters Mutter tatsächlich bei dem Absturz ums Leben kam. Zu dem Zeitpunkt haben mich zwei Dinge überrascht: Richards Geschichte (ich habe mich ehrlich gefragt, ob Bendis das wirklich auf diese Weise durchziehen wird und Peters Eltern zurück bringt – immerhin hat dies schon ein Film-Franchise versucht und ist damit auf mäßigen Erfolg gestoßen. Zugegeben, der Comic kam vorher raus, trotzdem hätte ich das nicht erwartet) und das die Regierung etwas machen kann, ohne das Nick Fury davon erfährt.

Reed und Sue untersuchen in der Zwischenzeit den Klon weiter und tun das, was Peter eigentlich vermeiden wollte: Nick Fury davon in Kenntnis setzen. Seine Reaktion ist ehrlich gesagt am störendsten für mich, da er seine neuesten Spider-Slayer Roboter nach Queens bringt, um dort gegen Peter in den Krieg zu ziehen. Hat Peter nicht oft genug bewiesen, dass er auf seiner Seite steht? Es ist hart mit anzusehen, wie dieser Mann Peter verrät und ihn wie einen Kriegsverbrecher behandelt. Peter respektiert ihn so sehr und blickt zu ihm auf und als Leser fühlt man diesen Verrat nur all zu deutlich und wünscht sich einfach, dass es ein Ende nimmt. Doch Peters Tag ist noch nicht zu Ende. Er wird von Jessica Drew aus der Situation gerettet, die ihm dabei helfen will die Verantwortlichen zu finden und auch MJ zu retten.

Sie liefert Peter ebenfalls viel Hintergrundwissen was die Klone betrifft. Diese Erzählung hätte ich mir eigentlich für die 100. Ausgabe gewünscht, da diese deutlich länger und emotional mitreißender ist, als Richards angebliche Arbeit. So offenbart Jessica, die schrecklichen Experimente, die sie überstanden hat und noch zu überstehen hätte, wären die Klone nicht gemeinsam ausgebrochen.Für die Regierung sind sie nämlich nichts weiter als ersetzbare Dinge und sollte eines davon nicht so richtig funktionieren, kann man ja neue züchten. Was mich am meisten angeekelt hat ist, dass die Klone mit Peters Gedanken und Erinnerungen ausgestattet wurden, also alles wissen, was auch er weiß. Ich mag mir gar nicht vorstellen, wie das wohl sein muss, als sein eigener Klon aufzuwachen. Dann auch noch in einer Version mit sechs Armen oder als Frau. Interessanterweise kommt hier tatsächlich das Thema Transgender zur Sprache, zumindest im Subtext. In dieser Geschichte steckt unter der Oberfläche also sehr viel mehr, als man anfänglich vielleicht vermuten möchte.

Insgesamt, wie auf einem der Cover zu sehen, gibt es vier Klone. Einer davon hat MJ entführt, weil er will, dass sie in der Lage ist sich selbst zu verteidigen. Dazu infiziert er sie mit dem Oz Virus, welches Osborn in den Green Goblin verwandelt hat und auch für MJ keine schönen Konsequenzen hat. In Osborns alter Firma und seinem Labor findet dann auch der Finale Schlagabtausch statt. Alle Parteien treffen dort aufeinander: Die Klone, Nick Fury mit seinen Spider-Slayern und der Drahtzieher hinter dem Ganzen: Doc Ock, gesponsert von der Regierung. Nicht nur Nick Fury ist von den grotesken Experimenten sichtlich Sprachlos. Und so überlässt er den Klonen das Feld, sodass diese ihre verdiente Rache nehmen können. Allein diese Szene hat sehr viel Genugtuung in sich, da es das erste Mal in der Geschichte ist, dass Peter die Kontrolle hat und das tun kann, was er will.

Doch das sind alles nur die Highlights der Geschichte. Im Hintergrund spielt sich noch ein bisschen mehr ab. So landet May mit einem Herzinfarkt im Krankenhaus, Kitty überzeugt die X-Men sich auf den Weg nach New York zu machen, Peter und MJ kommen wieder zusammen und May weiß nun endlich über Peters langes Geheimnis bescheid, ohne das ihr jemand ins Gedächtnis pfuscht. Ach ja, Peters Vater ist ein Klon und stirbt metaphorisch gesprochen in den Händen von Sue Storm. Außerdem ist Jessica der letzte überlebende Klon und macht sich auf den Weg ihr eigenes Leben zu leben, ohne das ihr jemand etwas vorschreibt.

Wie ihr seht ist diese überlange Storyline nur so vollgestopft mit Plot, Subplots und Parallelgeschichten. Doch trotzdem gelingt es Bendis immer wieder die Spannung aufrecht zu erhalten und es nicht zu klischeehaft aussehen zu lassen. Dazu noch die beeindruckenden Zeichnungen von Mark Bagley und die Clone Saga zählt zu einer der emotionalsten und mitreißendsten Geschichten der Ultimate Reihe. Unter anderem auch deshalb, weil es so sehr in Peters Leben (Vergangenheit und Gegenwart) verankert ist, wie wahrscheinlich keine Story zuvor. Aber jetzt braucht unser junger Held erstmal Zeit für Urlaub, oder?

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