Ultimate Spider-Man Vol. 16

Im sechzehnten Volume von Ultimate Spider-Man bekommen wir gleich drei spannende Geschichten geliefert. Darunter ein X-Men Crossover, eine Vampirgeschichte und der Status Quo mit Detective DeWolff wird über den Haufen geworfen.

Ultimate Spider-Man Vol. 16: Deadpool

  • Ausgaben: #91-96, Annual #2
  • Erscheinungsdatum: 2006
  • Writer: Brian Michael Bendis
  • Artist: Mark Bagley
  • Inks: Scott Hanna, John Dell
  • Colors: Justin Ponsor
  • Letters: Chris Eliopoulus

“Hola-hoop-man is running that way. Web the crap out of him.” – Kitty Pryde

Fangen wir mit der längsten der drei Geschichten an: Deadpool. Diese beginnt damit, dass sich Peter und Kitty wieder einmal am Ende eines Dates befinden. Ein wiederkehrendes Elemente ihrer bisherigen Gespräche, ist die Geheimhaltung ihrer Beziehung. Immerhin weiß Tante May nicht, dass Peter Spider-Man ist, und hoffentlich auch sonst niemand. Würde also nicht nur rauskommen, dass Peter eine Beziehung mit Kitty hat, sondern auch Spider-Man, dann wäre der Schluss schnell gezogen: Peter ist Spider-Man. Oder Kitty unterhält mehrere Beziehungen, aber das hier ist ein kindgerechter Comic, also lassen wir diese Möglichkeit erst einmal außen vor.

Wie so oft schafft es Brian Michael Bendis ein Thema, welches er zu Beginn einer Geschichte einführt und nicht weiter vertieft, später zu einem großen Ding zu machen, was dazu führt, dass aktuelle Beziehungen in Frage gestellt werden (dies meine ich im absolut positivsten Sinne). So sind die X-Men und Spider-Man später unfreiwillig Teil einer Live im Fernsehen übertragenen Jagd auf sie und dabei wird auch die Beziehung zwischen Kitty Pryde und Spider-Man öffentlich gemacht. Somit hat sich das Thema, dass sie sich öffentlich mit Peter sehen lassen kann auch erledigt und die beiden müssen sich weiterhin heimlich treffen. Es ist schon schwer mit anzusehen, wie es die beiden mitnimmt, da sie einfach eine “normale” Beziehung führen und dabei auch einmal Hände-haltend durch die Mall gehen wollen. Besonders der letzte Dialog ist herzzerschmetternd, als sich beide beim jeweils anderen versichern, dass alles in Ordnung zwischen ihnen ist.

Beziehungen sind eine große Stärke der Ultimate Spider-Man Reihe. Wenn Personen mit ihren Freundschaften und mehr besser ausgearbeitet sind, dann fühlen sich auch Action Sequenzen komplett anders an. Als Leser ist man deutlich mehr investiert in die Charaktere und sorgt sich um sie. Immerhin sind dann nicht mehr nur die Held\*Innen betroffen, sondern auch ihre Partner und Bekannten. Die Einsätze und das Risiko sind einfach um ein vielfaches höher.

Dies macht sich auch bei MJ bemerkbar. Sie liest in einem Zeitungsbericht von der Beziehung zwischen Spider-Man und Kitty und fragt sich berechtigterweise, warum er mit der Mutantin eine Beziehung eingehen kann, aber nicht mit ihr. Eine herzzerbrechende Szene, wobei ich mich auf gefragt habe, ob wir uns jetzt zehn Ausgaben wieder mit der Reparatur dieser geschädigten Freundschaft auseinandersetzen müssen. Doch Bendis zeigt deutlich, dass, wenn Peter MJ braucht, sie immer für ihn da ist. Besonders nach dem Vampir-Angriff aus der zweiten Geschichte ist dies deutlich zu erkennen.

Kommen wir aber nach dem ganzen Beziehungsgerede wieder zurück zur ersten Geschichte. Darin werden die X-Men entführt und, weil Kitty den Robo-Jet zu Peter schickt, auch Spider-Man mit in den Schlamassel hineingezogen. Sie befinden sich auf Krakoa, der Gefängnisinsel von Genosa, wo Mutanten zur Unterhaltung gejagt und getötet werden. Hier wird deutlich gezeigt, was einige von diesen Kreaturen halten. Es sind Tiere, abartige Geschöpfe, wider der Natur und ihr Leben hat keinen Wert. Besonders in der Nummer 93 wird dies deutlich gemacht. Das Geschehen wird durch die Augen der Fernsehzuschauer gezeigt, inklusive Kommentator, Interviews und Berichten. Ein grausames Schauspiel.

Was auf dieser Insel geschieht ist nicht einfach zu verarbeiten. Dies wird besonders an Spider-Man gezeigt. Man wird daran erinnert, dass sich unter der Maske doch nur ein Kind verbirgt. Er dreht beinahe durch, will nach Hause und seine Sprüche zeigen deutlich, dass er mit der Situation überfordert ist. Wir lernen eine neue Seite von Spider-Man kennen. Zwar war er schon zuvor mit Situationen konfrontiert die ihn überfordert haben, aber dies war bei ihm zu Hause in New York, wo er die Umgebung kennt und nicht in einem Jungle, vor Kameras und Zuschauern, wo alles und jeder dafür geschaffen wurde, ihn zu töten. Auch Deadpool, der engagiert wurde um mit seinem Trupp die Entführten zu jagen, wird von einer Seite gezeigt, die ich so noch nicht kannte. Eine beeindruckende Geschichte, die sicher Spuren hinterlassen wird.

Als nächstes haben wir die zweiteilige Story über Morbius und andere Vampire. Darin lernen wir, dass es durchaus unterschiede zwischen Vampiren gibt. So lassen sich nicht alle von ihrem Fluch in Besitz nehmen und weigern sich, Menschen das Blut auszusaugen. In Morbius, dessen Vater übrigens Dracul ist, findet Spider-Man einen neuen Verbündeten. Der Morbius Zweiteiler ist besonders Stilistisch überzeugend. Unter anderem spielt nämlich auch Ben Urich der Journalist eine zentrale Rolle, der Peter durch seine Recherchen erst auf die Vampire aufmerksam macht. Der Artikel, den Urich geschrieben hat, wird durch schwarz-weiße Panels untermalt und erhält dadurch den Flair eines alten Vampirfilms. Sehr cool gemacht und ein guter Einstieg in die Geschichte.

Als letztes haben wir dann noch das zweite Annual. Hierbei erhalten wir wieder einmal eine Geschichte mit DeWolff und anderen Helden, wie Daredevil und Moon Knight. Wir haben diese bereits in früheren Erzählungen kennen gelernt und in kurzen Abschnitten wird gezeigt, was diese in der Zwischenzeit getrieben haben. Außerdem wird die Beziehung zwischen Detective DeWolff und dem Kingpin weiter ausgebaut und in gewisser Weise zu einem Ende gebracht. Der Kingpin baut sein Netzwerk weiter aus und nutzt alles und jeden darin zu seinem Vorteil aus. Er ist nicht darauf aus, klassische Bandenkriege zu führen. Nein, durch seine Beziehungen kann er kreativere Möglichkeiten finden, sich seinen Gegnern zu stellen.

Doch nicht nur für diese Momente, wo Wilson Fisk glänzen darf, lohnt sich ein blick in das Annual, auch wie andere Charaktere Spider-Man wahrnehmen, wird deutlich gezeigt. So sind sowohl Moon Knight, als auch Daredevil davon überzeugt, dass er junge Held zu Jung und unerfahren ist, um sich mit so jemanden wie dem Kingpin auseinander zu setzen. Dies muss durchaus frustrierend für Peter sein, immerhin hat er sich schon des öfteren bewiesen.

Etwas, dass mich auch schon bei der letzten Konfrontation mit DeWolff (von der Peter erst nach ihrem Tod erfährt, dass sie für den Kingpin gearbeitet und Spider-Man für dessen Zwecke manipuliert hat) massiv stört, ist der Umgang der Polizisten mit Spider-Man. Sie sind dermaßen schnell ihre Waffen auf ihn zu richten, dass es an ein Wunder grenzt, dass er noch nicht aussieht wie Schweizer Käse. Besonders auffällig ist dies, als DeWolff erschossen wird, Spider-Man UNBEWAFFNET neben ihr steht und sie trotzdem erstmal auf ihn zielen. An dieser Stelle hätte ich mir etwas bessere Charakterisierung der Polizisten gewünscht oder zumindest eine glaubwürdigere Darstellung, warum sie ihn verdächtigen oder einfach nicht mögen.

Ansonsten überzeugt das sechzehnte Volume aber mit neuen Einsichten, fantastischen Zeichnungen und abwechslungsreichen Geschichten.

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