Midnighter #1

In der Serie Grayson war mir noch nicht bewusst, wie berühmt sein Gegner Midnighter war und habe ihn aufgrund von Wissensmangel relativ schnell als den üblichen Schläger bezeichnet. Nachdem ich aber etwas mehr über ihn in Erfahrung gebracht hatte und ich wusste, dass er seine eigene Reihe bekommen würde, war mir klar, wie wichtig er für DCs neue Kampagne eigentlich ist.

Das neue Motto des Verlags lautet #DCYou. Allein die toll designten Motive und Poster wirken wie ein moderner, frischer Anstrich. Für mich stellt dies in gewisser Weise einen Neustart dar, in eine Vielfältige Zukunft, voll von unterschiedlichen Charakteren. Egal ob Mann oder Frau, schwarz oder weiß, schwul oder heterosexuell, jeder findet im Line-up Platz. Außerdem bin ich mir beinahe sicher, dass in diversen Mini-Serien auch ein paar Themen abgehandelt werden, welche für eine ongoing-series nicht “passend” oder zu gewagt wären. DC hat sich mittlerweile mein vertrauen erarbeitet und ich blicke mit ihnen in eine spannende Zukunft. Dies ist vor allem auch der Tatsache geschuldet, dass sie ihr neues Line-up geschaffen haben, ohne ein weiteres Mal ihr Multiverse neu aufzubauen. Nachdem, was wir aus Convergence gelernt haben, sieht auch ganz danach aus als wäre das Flashpoint-Event, welches uns in das new-52-Multiverse gebracht hat (das Label new 52 fällt nun weg) für längere Zeit das letzte Welten verändernde Ereignis gewesen. Diese Entscheidung kann ich nur begrüßen und ich freue mich auf viele neue Abenteuer mit modernisierten, klassischen Charakteren.

  • Writer: Steve Orlande
  • Penciller: ACO
  • Inks: ACO with Hugo Petrus
  • Colors: Romulo Fajardo, jr.
  • Letters: Jared K. Fletcher
  • Editor: Chris Conroy

“Do I look like a guy who cares what people know about him?” – Midnighter

Schon das Sneak Peek Heft (Link), welches DC für jedes ihrer Hefte herausgegeben hat, vermittelt mit jeder Seite und jedem Panel, dass diese Serie anders ist als die anderen. Nicht nur handelt es sich um einen schwulen Antihelden in der Hauptrolle, es wird in dieser Hinsicht vieles gezeigt, was sich vielleicht nicht alle Verlage trauen würden. Das Gefühl, welches Midnighter #1 vermittelt ist frisch, kompromisslos und zeigt des Verlags Bereitschaft neues zu probieren. Allein dafür lohnt sich schon die Anschaffung dieser Hefte, denn man muss ihnen auch zeigen, dass sich dieses Risiko lohnt und wir als Leser mehr wollen als die üblichen weißen, muskelbepackten Helden.

Wie auch schon in Grayson, spielt The God Garden eine wichtige Rolle. Mir war bis jetzt noch gar nicht bewusst, dass Midnighter mit der Gärtnerin eine abenteuerliche Vergangenheit hat und sie ihm mehr oder weniger geholfen hat zu dem zu werden der er heute ist. Sie gibt zwar nach einem Überfall, bei dem nicht nur Waffen und mächtige Gegenstände geklaut werden, zu, dass sie seine Vergangenheit all die Jahre über aufbewahrt hat (auf einer Art Datenspeicher), doch ich komme nicht umhin zu denken sie hätte ihn gepflegt oder sogar erzogen, nachdem sie ihn gefunden hat. Ich hoffe deren Beziehung wird in den nächsten Heften noch weiter erkundet.

Als Anti-Held hat man es wirklich nicht einfach jemanden kennen zu lernen und so bedient sich Midnighter der Hilfsmittel unserer Zeit und hat bei einem Online-Service ein Konto eingerichtet – die kurze Darstellung seiner selbst ist wirklich witzig gemacht und entspricht genau dem, was man erwarten würde. Als er dann schließlich mit einem Mann namens Jason bei einem Date sitzt, währt dieses nicht lange, denn eine Bande von Kopfgeldjägern die auf der suche nach außerirdischen Lebensformen sind, die sich auf der Erde verstecken, funkt dazwischen. Auf den folgenden Seiten wütet ein fantastisch inszenierter Kampf zwischen dem “physically anhanced vigilante” und seinen Gegnern. Der Künstler versteht es in diesem chaotisch wirkenden Kampf doch so etwas wie Ordnung und Überblick zu bringen. Dabei helfen auch die kleinen Panels, welche er in die großen Zeichnungen einarbeitet, um einen detaillierteren Blick auf gewisse Szenen zu gewähren. Auch die Dialoge, nicht nur im Kampf, sind toll geschrieben – allerdings redet mir die Anführerin der Gang etwas zu viel und ich war froh, als M. sie endlich unterbrochen hat.

Einige Zeit nach dem Kampf, geht das Date dann auch schon weiter und nach einer erfolgreichen Nacht, implantiert M. seinem One-Night-Stand (ich bezweifle, dass aus den beiden mehr werden wird), kurzerhand einen Chip ins Genick, mit deren Hilfe Jason sich jederzeit bei ihm melden kann, sollte ihm etwas ungewöhnliches Auffallen oder er Hilfe benötigen. Dieses Prozedere gehört anscheinend dazu, wenn man sich mit dem Anti-Helden einlässt. Aber dies gibt ihm die Möglichkeit eine Art Netzwerk aufzubauen und immer auf dem laufenden zu bleiben.

Hier finde ich dann die Tatsache, dass er einen Computer in seinem Gehirn implantiert hat, der auch die Ursache für seine schnellen Reflexe zu sein scheint, wieder vorteilhaft, auch wenn ich mich an diese Tatsache erst noch gewöhnen muss.

Mich hat Midnighter #1 auf ganzer Linie überzeugt und ich freue mich auch viele weitere Abenteuer mit ihm. Bitte mehr davon!

Auf der fantastischen Webseite comicsalliace.com findet ihr unter diesem Link auch noch ein tolles Interview mit den Autoren der Reihe. Er redet unter anderem über seine Herangehensweise an einen solch ikonischen Charakter und wie sein Kollege ACO Midnighter neu definiert hat und ihn zu neuen Geschichten inspiriert.

Bis demnächst
Chris