Hawkeye by Fraction #1 Review

Hawkeye by Matt Fraction #1

Writer: Matt Fraction
Artist: David Aja
Color Artist: Matt Hollingsworth
Cover Art: David Aja
Letters: Chris Eliopoulos

“Hold that thought, ya tracksuit Dracula. You asked about the Avengers. Y’wanna know the best part about being an Avenger?” – Clint Barton

Gleich auf den ersten Seiten nimmt Matt Fraction dem Titelhelden das weg, was ihn ausmacht: Avenger zu sein. Vom Dach stürzend, versucht sich Clint Barton noch mit einem verzweifelten Schuss zu retten (mit Hilfe eines Pfeils, der an ein Seil gebunden ist), doch Gravitation kann manchmal schon ärgerlich sein und das Seil reißt. Er landet auf dem Dach eines Autos und damit auch im Krankenhaus, wo ihm der Arzt aufzählt, was er sich nicht alles gebrochen hat. Es ist eine interessante erste Szene, da es sehr viel mit Clint macht. Zwar wird die Erholungszeit gekonnt übersprungen und bereits auf der nächsten Seite verlässt er das Krankenhaus auch schon wieder, doch so kommt er nach längerer Abwesenheit in sein Leben zurück und muss sich dort erst einmal mit Alltagssituationen auseinandersetzen.

Das Storytelling ist Anfangs noch unterbrochen von kleineren Blicken in die Zukunft, wodurch ein Spannungsbogen entsteht, der den Leser anhält herauszufinden, wie Clint in den nächsten Schlamassel geschlittert ist. Doch er ist und bleibt ein Avenger und will den Menschen helfen. Manchmal mit ein bisschen unlauteren Mitteln, aber hin und wieder heiligt der Zweck diese. Was passiert?

Nun, Ivan, der Vermieter beschließt, da ihm jemand ein gutes Angebot für das Haus gemacht hat, alle Mieten zu verdreifachen, um auf diese Weise die Mieter los zu werden. Fraction etabliert dabei die Gemeinschaft unter den Vermietern geschickt als eine sehr familiäre. Sie halten zusammen, grillen beinahe jeden Tag gemeinsam auf dem Dach und kennen sich gut. Sie können sich gegenseitig triezen, halten aber doch im Falle einer Krise zusammen. Zu Anfang war ich mir noch über die finanzielle Situation von Clint unsicher, doch wie es scheint, ist er nicht unbedingt auf das Konto der Avengers angewiesen (welches seit Avengers Disassembled nicht mehr existieren sollte) und hat so ein kleines Vermögen irgendwo rumliegen, mit dem er Ivan ein Gegenangebot macht, dass dieser nicht ablehnen sollte.

Natürlich lehnt es dieser aber ab und es kommt, wie es kommen muss: Bei einem ihrer illegalen Poker-Spielchen unterbreitet ihm Clint ein Angebot, Ivan will nicht, da er einen Käufer hat und die Mieter nur loswerden will. Ein kurzer Kampf bricht aus. Am Abend in der Klinik, in der Clint seine Wunden leckt, suchen ihn Ivan und seine Handlager auf. Doch dieses mal ziehen sie den Kürzeren. Zugegebenermaßen bin ich mir nicht zu 100% sicher, wie genau der Übergang vom Pokerabend zu der Klinik stattfindet, bzw. warum Clint plötzlich dort ist. Immerhin schein es auch eine Tierklinik zu sein. Aber ich gebe der Geschichte an dieser Stelle einfach mal den so genannten “benefit of the doubt”.

Vielleicht ist es auch einfach nur ein Zeitsprung, den ich nicht verstanden habe oder etwas ähnliches, jedenfalls spielt ein Hund eine zentrale Rolle. Um genau zu sein, der Hund von Ivan. Dieser wird nämlich von eben diesem in den nächtlichen Straßenverkehr gekickt – ja, gekickt. Wie in: er kickt seinen eigenen Hund absichtlich in den f*ing Verkehr! Dazu muss gesagt werden, dass sich der Hund gegen seinen Besitzer stellt, da ihm Clint am Vortag ein Stück Pizza gegeben hat. Ivan scheint dies nicht zu machen und als Clint nun von Ivan bedroht wird, ergreift der Hund schnell die Seite des ehemaligen Avengers. Das der Hund im Verkehr landet und natürlich schwer verletzt wird, lässt Clint nicht so einfach ungestraft geschehen. Er “überzeugt” Ivan, dass Geld von ihm anzunehmen und zu verschwinden. So gehört Clint nun nicht nur das Gebäude, sondern auch der Hund, der natürlich die Operation überlebt. Nun haben Clint und der Hund in einer einzigen Ausgabe ähnliche Verletzungen erlitten und sich davon erholt. Ein Wink des Schicksals? Der Hund heißt übrigens Arrow…

Was die Zeichnungen anbelangt, war ich zuerst unsicher, nun jedoch sehr begeistert. Die dicken Linien passen hervorragend zum skizzenhaften, doch detaillierten Look des Comic Books. Die Szenen, die sich am Tag abspielen, sind in matten Brauntönen gehalten, gemischt mit ein bisschen orange-gelb. Die Nachtszenen dagegen hat Matt Hollingsworth gekonnt in blau-graue Farben getaucht und hebt so die Zeichnungen von David Aja auf ein neues Level. Dies kommt vor allem auch durch die teils ungewöhnliche Panelstruktur zustande. Nicht nur die gute Mischung aus Detailaufnahmen und weiten Shots gefällt, sondern auch die kleinen Panels, die in Action-Szenen und Konfrontationen den Fokus auf einzelne Gegenstände, Gesichtsausdrücke oder Bewegungen richten.

Hawkeye #1 ist ein charmanter Auftakt zur Reihe. Sie vermenschlicht Clint Barton. In der vorangegangenen Ausgabe wirkte er noch wie ein Meister seines Faches und unbesiegbar. Seine Fähigkeiten nimmt ihm Matt Fraction zwar nicht, doch durch den ein oder anderen Fehltritt, wirkt er doch gleich viele näher. Das Interessante ist auch, dass nach dieser Ausgabe nicht klar ist, wo die Reise hingeht. Fraction lässt sich Zeit und etabliert erst seinen Charakter, bevor er ihn in ein großes Abenteuer wirft.