Young Avengers Presents #6 Review

Young Avengers Presents #6

Writer: Matt Fraction
Penciler: Alan Davis
Inker: Mark Farmer
Colorist: Paul Mounts
Cover Art: Jim Cheung, John Dell & Justin Ponsor
Letters: VC’s Cory Petit

Letztens traf das Marvel Omnibus zu Matt Fractions Hawkeye bei mir ein, dass es auf Amazon relativ günstig zu kaufen gab. Da ich mir bei Vision schon ein bisschen Zeit genommen hatte es zu lesen (drei Tage, um genau zu sein), dachte ich mir, es wäre doch einmal ganz nett, zu jeder einzelnen der 24 Ausgaben in diesem hübschen Omnibus ein Review zu schreiben. Ein bisschen zu spekulieren, sich Gedanken zu machen und einfach Revue passieren zu lassen, was so passiert. Dadurch lässt sich die Erfahrung von Hawkeyes Abenteuer ein bisschen hinaus zögern und eventuell auch mehr genießen.
Young Avengers Presents #6 macht den Anfang.

Vorrede

Young Avengers Presents #6 ist eine Art Prolog zur eigentlichen Reihe. Ich finde es immer kritisch mitten in einer Reihe einzusteigen, wenn man nicht weiß, was zuvor passiert ist, doch diese einzelne Ausgabe wird schon einen Zweck haben, wenn sie im Omnibus von Hawkeye integriert wurde. Spoiler: Das tut sie!

Die erste Überraschung wartet auch gleich auf der ersten Seite, wo die wichtigsten Charaktere in dieser Ausgabe vorgestellt werden. Denn dort wird Kate Bishop als Hawkeye und Clint Barton als Ronin vorgestellt. Richtig gehört, 2008 war die Welt noch anders. Die erste Ausgabe von Hawkeye ist übrigens Mitte 2012 erschienen, also ganze vier Jahre später, was die Integration von dem hier besprochenen Comic Book nochmal interessanter macht. Jedenfalls wird für den unwissenden Fan wie mich in dieser Ausgabe aufgeklärt, dass Hawkeye scheinbar irgendwann gestorben sei und Kate Bishop von Captain America Hawkeyes Ausrüstung und Namen bekommen hat. Den einzigen Tod von Hawkeye, den ich mitbekommen habe, und der auch etwa zu der Zeit passiert ist, war während des Avengers Disassembled Events von 2004/2005. Also können wir die Events doch schon ein bisschen besser einordnen.

Review

Jetzt aber zum tatsächlichen Review. Die ersten Charaktere, die wir in dieser Ausgabe sehen sind Kate Bishop und Eli, ihren Freund und Kollegen von den Young Avengers. Ihre Beziehung scheint komplizierter zu sein, da Eli mehr will, als nur Freundschaft, Kate aber noch nicht wirklich dafür bereit ist. Manche würden aus diesem Konzept vielleicht ganze Serien aufbauen (looking at you, Nanny), doch Matt Fraction löst diesen Handlungsbogen dann doch bis zum Ende mehr oder weniger auf und sorgt so für einen zufrieden stellenden Abschluss.

Während die beiden also auf ihrem Date sind, werden sie von Ronin angegriffen. Eli ist schnell ausgeschaltet und Kate muss allein mit ihrem Gegner zurecht kommen. Wie sie feststellen muss, testet dieser sie jedoch nur und lädt sie sogar ganz nebenbei für den nächsten Abend ein, wo sie ihm ihre Fähigkeiten mit Pfeil und Bogen zeigen soll. Damit verschwindet Ronin dann auch schon wieder. In dieser kleinen Szene wird schön gezeigt, welchen Ruf Ronin hat und allein deshalb, weil er sein Schwert nicht benutzt, glaubt ihm Kate am Ende und begibt sich am nächsten Tag zur vereinbarten Adresse. Der geneigte Leser weiß in diesem Augenblick auch schon mehr, als unsere Protagonistin.

In einem wider erwarten, schicken Apartmentgebäude angekommen, wird sie nicht nur vom Portier zu einem privaten Aufzug begleitet, sondern auch vom totgeglaubten Clint Barton begrüßt. Dieser Effekt wäre um einiges stärker gewesen, wären am Anfang nicht die Charaktere vorgestellt worden, inklusive ihrer Codenamen. Immerhin ist die gesamte Ausgabe so aufgebaut, dass man die Gedanken von Kate “liest”, worüber sie sich Gedanken und Sorgen macht. Überhaupt ist diese gesamte Ausgabe aus ihrer Perspektive erzählt, was passend ist und sie nachvollziehbarer macht. Doch es ist trotzdem schade, dass für den neuen Leser am Anfang gespoilert wurde, dass Clint Barton Ronin ist. Trotzdem haben die beiden eine gute Chemie und funktionieren als kollegiale Rivalen sehr gut. Immerhin hat Kate Clints Identität als Hawkeye “gestohlen”.

Clint scheint nun wieder bereit zu sein, seine frühere Identität anzunehemn und fordert Kate zu einer Art Duell mit dem Bogen heraus, dass er natürlich gewinnt. Dabei wird sehr gut eingeführt, welche Fähigkeiten Clint mit dem Bogen hat. Die Wette ist nämlich, dass er einen Pfeil spaltet, wie es Robin Hood gemacht hat. Auch wenn Kate ihm erzählt, die Mythbusters hätten dies schon längst widerlegt und es wäre vollkommen unmöglich diesen Schuss zu machen, gelingt es dem Meister doch, das Kunststück zu vollbringen. Es spricht für das Storytelling von Fraction und auch die Art und Weise wie die Figuren dargestellt werden: mit dem Sorgenvollen Gesicht Kates, verbunden mit den dunklen, matten Farben hatte ich durchaus meine Zweifel, ob es Clint tatsächlich gelingt, denn Schuss erfolgreich hinter sich zu bringen.

Kate gibt also Bogen und Namen ab – widerwillig natürlich. Die Blamage wird dann auch gleich von ihren Freunden, den Young Avengers, dafür genutzt, ihr das Leben schwer zu machen. Zum einen macht sich Eli darüber lustig, zum anderen wollen die anderen sie unterstützen. Wie sie überhaupt davon erfahren haben? Nun, Kate wurde von Billy begleitet (sie wusste ja nicht, dass sie Clint Barton begrüßen würde), der sich unsichtbar machen kann. Lediglich Tommy Tommy Shepherd aka Speed weiß nichts von dem Vorfall, da er zu der Zeit trainiert hat und Kate auch im Trainingsraum überrascht. Weil er sie fragt und auch weil sie sich ablenken will, geht sie auf eine Art Date mit ihm. Er überzeugt sie, in dieser Nacht noch die Ausrüstung zurück zu klauen und tun dies auch – erfolgreich, wie ich betonen will.

Es passiert also wirklich sehr viel in dieser einen Ausgabe. Die Dynamik zwischen Tommy und Kate fand ich sehr ansprechend, da sie einigermaßen gegensätzlich funktionieren. Sie haben allerdings keine Zukunft als Paar, zumindest nicht nach dem Ende der Ausgabe zu urteilen, wo sie Eli Hoffnung macht. Ein Liebesdreieck mag zwar ganz spannend sein, doch ich bin ehrlich gesagt ganz froh, diesen Aspekt der Young Avengers hinter mich lassen zu können. Den Diebstahl finde ich ein bisschen merkwürdig. Haben die Underground Avengers keine Alarmanlage in ihrem inoffiziellen Hauptquartier? Trotzdem bleibt es eine unterhaltsame Szene, vor allem auch deshalb, weil Kate von Clint motiviert wird, die “rechtmäßig” geklaute Ausrüstung zu behalten.

Young Avengers Presents #6 bietet einen doch sehr interessanten Start in das Omnibus von Hawkeye. Wir erfahren so einiges über seinen Charakter, wie er tickt und welche Fähigkeiten er hat. Außerdem etabliert diese Ausgabe seinen Stellenwert gegenüber Luke Cage (und zum Teil auch Spider-Man), die einen kleinen Gastauftritt haben. Nun bleibt abzuwarten, worum sich die eigentliche Hawkeye-Reihe drehen wird.