The Vision Omnibus – Review

The Vision Omnibus

Writer: Tom King
Artists: Gabriel Hernandez Walta & Michael Walsh (#7)
Colorist: Jordie Bellaire
Letterer: VC’s Clayton Cowles
Covers: Mike Del Mundo & Marco D’Alfonso
Editor: Will Moss
Publisher: Marvel

Die Figur des Vision war mir bis zu einem gewissen Marvel-Filme nur flüchtig bekannt. Er scheint mir ein relativ unbekanntes, doch in der Nische populäres Dasein zu fristen und meist nur in Nebenrollen aufzutauchen. Zwar hat er den Status eines Avengers und kann es mit den anderen mehr als nur aufnehmen, wie auch in diesem Omnibus deutlich wird, doch da Vision eine Kreation Ultrons ist, schwelt im Hintergrund immer eine leichte Bedrohung mit. Damit der Stammbaum komplett ist, soll an dieser Stelle auch darauf hingewiesen werden, dass Ultron von Ant-Man aka Henry Pym erschaffen wurde und Vision nicht die einzige Brut des Bösen Roboters ist, denn er hat noch einen Bruder, der wesentlich menschlicher Aussieht, als sein violett-häutiger Counterpart.

Doch Vision tritt nicht wie von Ultron erhofft in dessen Fußstapfen, um ihm dabei zu helfen die Helden des Marvel Universums vom Angesicht der Erde zu tilgen, sondern wendet sich gegen seinen Schöpfer. Nach Jahren der (mehr oder weniger dauerhaften) Treue gegenüber seinen Kompagnons, bei denen er sie dabei beobachten und teils auch selbst miterlebt hat, wie sie lieben, lernen und Partner haben, vielleicht manche auch Kinder bekommen, will sich Vision nun eine eigene Familie aufbauen. Wie genau seine Frau Virginia, deren Tochter Viv und Sohn Vin zustande kommen, sei an dieser Stelle nicht verraten, da es eine herzzerreißende Szene im Comic Book darstellt und ich diese nicht vorwegnehmen möchte. Es steckt jedoch sehr viel mehr dahinter, als “nur” einen Synthezoid zu bauen. Synthezoid ist eine spezieller Begriff, der beschreibt, dass es sich bei den Vision um mehr als reine Androiden handelt. Es benötigt eben noch einen Baustein, der nicht so einfach zu beschaffen ist, was die Kreation der Familie noch einmal, ja, schöner macht.

Die Familie lebt jetzt jedenfalls in einem Haus in “616 Hickory Branch Lane, Arlington, VA, 21301.” Dabei geht es nicht nur darum, wie sich die einzelnen Mitglieder der Familie in der Welt zurechtfinden und herauszufinden versuchen wo ihr Platz ist, sondern auch darum, was es bedeutet ein Mensch zu sein. Es mag abgedroschen klingen, wenn man es so zusammenfasst, doch hinter diesen einfachen Phrasen steckt ein (Multi-)Universum an Möglichkeiten. Tom King, Gabriel Hernandez Walta, Jordie Bellaire und Clayton Cowles haben es geschafft, alle Teile, die einen Comic nicht nur gut sondern großartig machen, zu einem one-of-a-kind, wenn man so will, aus diesem Meer an Möglichkeiten heraus zu fischen, und eine Geschichte zu erzählen, die auf so vielen Ebenen überzeugt und den geneigten Leser bzw. die geneigte Leserin bis zum Ende nicht mehr loslässt.

Ich will gar nicht zu viel von der Geschichte selbst erzählen, denn ich finde es am Besten mit so wenig Wissen wie möglich an sie heran zu treten und in sie einzutauchen. Überraschungen, Twists oder simple Charaktermomente, die einem einfach die Tränen in die Augen treiben müssen, mit offenem Mund sein eigenes Leben überdenken lassen oder einfach nur beeindruckt zur Kenntnis genommen werden, können einfach so viel mehr Wirkung entfalten, wenn sie vollkommen überraschend um die Ecke kommen. Solche Momente hat The Vision zur genüge. Zwar habe ich eine ganze Liste mit Momenten über die ich gerne sprechen möchte, doch bei einem Review, das lediglich darstellen soll, wie großartig dieses Comic Book ist, soll es mit diesen Worten belassen sein. Vielleicht reiche ich später noch einmal ein mit Spoilern angereichertes Review nach.

Die grün kolorierten Seiten beinhalten das Bonusmaterial.

Zu guter Letzt sollen noch das mehr als üppig ausgefallene Bonusmaterial erwähnt werden. Diese nehmen ein gutes Drittel des Bandes ein und bestehen aus der Darlegung des Entstehungsprozess von den einzelnen Ausgaben mit Skript, Layout, Pencils, Inks, Colors und Lettering. Des weiteren werden diverse Sketche angeboten, sowie ein Vorwort (welches man tunlichst zuletzt lesen sollte) und einer hervorragenden Analyse eines Bloggers und Autors, der noch einmal deutlich macht, warum The Vision so gut funktioniert, welche Symbolik und Gestik wir zwar unterbewusst wahrnehmen und deuten, jedoch vermutlich nicht direkt beim Lesen der Geschichte bemerken.

Jetzt habe ich zwar nicht über die großartigen Zeichnungen und das dazu passende Coloring gesprochen, doch das kann die Analyse in der Sektion der Bonusinhalte besser leisten. Lest The Vision, es lohnt sich.