The Walking Dead Season 05

Wie auch schon die vierte Staffel, werde ich dieses Review in drei Akte aufteilen, die meines Erachtens gut zur Geschichte passen. Vielleicht hätte ich dies auch schon früher machen können, doch dieser Rhythmus in der Erzählung ist mir erst kürzlich bewusst geworden: Zu Anfang gibt es immer eine Situation aus der sich unsere Protagonisten befreien müssen, bevor sie aus verschiedenen Gründen weiterziehen, um zu ihrer nächsten Station zu gelangen.

  • Developed by Frank Darabont
  • Cast: Andrew Lincoln, Norman Reedus, Steven Yeun, Lauren Cohan, Chandler Riggs, Danai Gurira, Melissa McBride
  • Musik: Bear McCreary
  • Executive producers: David Alpert, Scott M. Gimple, Greg Nicotero, Robert Kirkman u.a.
  • Erstausstrahlung: 12. Oktober 2014 auf AMC

“You’re the butcher, or you’re the cattle.” – Mary

Terminus. Diese scheinbar so heilbringende Stätte, entpuppte sich im Finale der letzten Staffel nicht gerade als Paradies in der Hölle, stattdessen zeigt sie wieder einmal die grausame Fratze des menschlichen Daseins und wie wir alles tun um zu überleben – zumindest manche von uns. Gareths Gruppe hat die wohl bestialischste Variante gewählt und lockt mit falschen Versprechen verzweifelte Überlebende zu sich, nur um sie in reine Fleischlieferanten zu verwandeln, die selbst einen Metzger beeindrucken würden.

Die Darstellung des Schlachthauses hinterlassen einen nachhaltigen Eindruck. Nimmt man die beiden rivalisierenden Gruppen aus dem Geschehen und würde durch dieses wunderbar gemachte Set wandern, ich müsste mich schon des öfteren umdrehen, nur um sicher zu gehen, dass mir niemand folgt. Die von der Decke hängenden, menschlichen Torso, die auf dem Grill liegenden Fleischstücke, der einem uns unbekannten Ritual dienende Raum voll mit Kerzen – all das hat eine Ausstrahlung und eine Aura, die ihres gleichen sucht. Der Staffelauftakt erreicht schließlich seinen Höhepunkt, als Rick, Daryl und co bei ihrer Flucht gefangen genommen werden und über ein Becken gebeugt nur darauf warten, mit einem Baseballschläger K.O. geschlagen und anschließend aufgeschlitzt zu werden. Die ersten Opfer, welche den ernst der Lage schildern sollen, sind so überzeugend, wie bedrohlich.

Carol, Tyreese und Judith sind derweil außerhalb der Anlage unterwegs und treffen gerade zum richtigen Zeitpunkt in Terminus ein, um den anderen zu helfen. Wie so oft, darf Carol hier wieder zeigen, was in ihr steckt. Zwar habe ich es eher unwahrscheinlich gefunden, dass ihr erster Versuch von Erfolg gekrönt ist, den nahe gelegenen Behälter zum explodieren zu bringen, doch das Ergebnis kann sich durchaus sehen lassen. So sind sie nun alle wieder frei und müssen erneut auf offener Straße um ihr überleben kämpfen.

Der erste Akt um Terminus und seine Besitzer ist gut gemacht, außerdem ist es geschichtlich interessant gestaltet, da man auch dessen Vergangenheit ein bisschen erforscht und kennen lernt. So wird dies zu einem abgeschlossenen Kapitel, dessen Nachwirkungen auch in späteren Folgen noch zu spüren sind und wie ihr ja wisst, habe ich es sehr gerne, wenn Handlungen unserer “Helden” gewisse Nachwirkungen zeigen.

“They think I’m scrawny. They think I’m weak. But they don’t know shit about me.” – Noah

Was findet man wohl, wenn man Terminus verlässt und blind durch einen Wald läuft? Richtig, einen von Zombies bedrohten Priester und seine Kirche. Zuvor gibt es aber noch eine herzzerreißende Szene, in der Carl und Rick ihre kleine Judith wiederfinden. Es ist schön die Familie wieder vereint zu sehen, sie haben es sich durchaus verdient und wurden wirklich lange auf die Folter gespannt. Zu dieser kleinen familiären Idylle passt auch gut der bereits erwähnte Priester. Zuerst fand ich es etwas schwierig den Aspekt der Religion mit in diese Serie zu packen (klar spielte er bisher auch eine Rolle, doch nicht so dominant), doch mit Blick auf die Apokalypse, war es wohl nur eine Frage der Zeit, bis ein solcher Charakter auf der Bildfläche erscheint. Erfreulicherweise wird diese Thematik dezent eingebaut und wenn, dann auch in einer äußerst subtilen, doch markanten Weise. Ich komme nicht umhin mich des öfteren zu fragen, wie es dieser Mann geschafft hat, so lange allein zu überleben, ohne sich ernsthaft vor den Zombies zur Wehr zu setzen. Diese bedingungslose Glaube, wird dann auch noch einmal deutlich gezeigt – dieser starke Moment auf einer verlassenen Straße ist wahnsinnig gut umgesetzt. Die Musik, die Stimmung, welche von der Kamera eingefangen wird – einfach toll gemacht.

Wir müssen in dieser Staffel, bevor wir zur nächsten Station kommen, noch einige Opfer beklagen. Viele sterben einen eindrucksvollen, geradezu heroischen Tod, doch manche sind auch so wenig nachvollziehbar und spontan, dass ich fast daran glauben möchte, es war keine Absicht, diese Charaktere an dieser Stelle ihrem unweigerlichen Schicksal nahe zu bringen. Die beiden “positiven” Tode, so möchte ich es vielleicht darstellen, waren die von Bob und Beth. Die Autoren und der Schauspieler schaffen es, in wenigen Episoden, in denen man den erst kürzlich eingeführten Charakter kennen lernt, einem ans Herz zu legen und ihm das beste zu wünschen. Es gefällt, dass auch seine Vergangenheit gezeigt wird – so erhält man einen kompletten Eindruck, dieses vom Schicksal geprägten Mannes.

Beth hat man dagegen die letzten fünf Jahre verfolgt und bei ihrer Entwicklung zusehen können. Am meisten werde ich mich wohl daran erinnern, wie sie sich um Judith sorgt und der Gruppe ihre schönen Songs vorsingt. Dies waren stets Momente der Stille, fast so, als ob nichts schlimmes mehr passieren könnte. Im Krankenhaus opfert sie sich dann, um die anderen zu retten und nur knapp können mehr Opfer verhindert werden. Sie lernte an diesem seltsamen Ort der Sicherheit Noah kennen, ich hatte noch gehofft, dass die beiden eventuell ein Paar werden, doch leider wird auch Noahs Schicksal, relativ bald besiegelt. In einen relativen späten Folge, stirbt er einen sinnlosen Tod. Dies zeigt noch einmal deutlich, dass es quasi jeden treffen kann, an der Stelle hätte ich es aber auch nicht schlecht gefunden, wenn Glenn das zeitliche segnet, da sein Charakter und vor allem die Beziehung mit Maggie sich nicht gerade ins positive zu entwickeln scheint.

Mehr oder weniger parallel zu diesen Geschichten, verfolgen wir Abraham auf seinem Weg, die Menschheit in Form von Eugene zu retten. Dessen Charakter war mir schon immer suspekt und als er schließlich davon erzählt, dass er sich das alles nur ausgedacht hat, war ich nicht wirklich überrascht – mir tat allerdings Abraham leid, denn seine Willensstärke und Hingabe zur Mission sind ansteckend. Auch später in der Stadt, darf er zeigen, was in ihm steckt und wie mir scheint, lernt er hier erst so richtig, was es eigentlich heißt, selbstständig und ohne Mission zu arbeiten. Es wird sicher noch interessant seinen Charakter weiter zu verfolgen und ich wäre nicht überrascht, wenn er später der Anführer der Gruppe wird, sollte Rick vielleicht doch nicht immer alle Angriffe lebend überstehen.

“We’ll make it work. If they can’t make it, then we’ll just take this place.” – Rick

Springen wir in der Geschichte nun etwas weiter nach vorn und beschäftigen uns mit der Siedlung. Ich fand es äußerst interessant, wie die Gruppe auf die Fremden stößt. Als Geschenk finden sie erst einmal mehrere Liter Wasser, die sie nicht trinken wollen. Hier kommt wieder alles zum Vorschein, warum mir Rick teilweise so auf die Nerven geht. Er ist allem neuen so unaufgeschlossen und skeptisch eingestellt. Klar, so haben sie bisher auch immer überlebt und ich hatte mit Aaron auch so meine Zweifel, doch er hat nichts getan um die anderen zu provozieren und wird gleich mal ordentlich gefoltert – zumindest ein wenig. Dies ist so typisch amerikanisch, dass ich mich furchtbar darüber aufregen könnte. Es gibt schließlich auch Menschen, die einen nicht unbedingt umbringen wollen – selten, aber es gibt sie.

Die Diversität wird mit diesem Charakter auch gleich um einiges erhöht, denn Aaron ist Schwul und kümmert sich rührend um seinen verwundeten Freund. Das spätere Team-up mit Daryl gefällt mir besonders gut, da dies mit den klassischen Klischees bricht und einen schönen neuen Schwung in die Runde bringt. Das Jagen, die Suche nach Essen und dergleichen werden komplett als eigenständige Geschichte fortgesetzt und bilden einen guten Kontrast zur sonst eher städtisch politischen Umgebung.

Diana Monroe, ein ehemaliges Mitglied des Kongresses verwaltet die kleine Stadt Alexandria und hier finde ich es äußerst erstaunlich, wie man auf der einen Seite so lange in der Zombie-Apokalypse überleben kann und andererseits dermaßen naiv auf eine Gefahr reagieren kann. Zugegebenermaßen sind sie sehr gut ausgestattet, haben fließend Wasser, Strom und genügend Platz, doch man muss sich auf der anderen Seite auch der Gefahren bewusst sein. Diese Ignoranz führt schließlich zu einer bzw. sogar zu zwei Eskalationen. Beiden Gruppen kommt aber niemals in den Sinn, eine Kompromisslösung zu finden und gemeinsam an den Problemen zu arbeiten, stattdessen wird rigoros auf dem eigenen Standpunkt bestanden und keinen Millimeter nachgegeben.

Am Ende gibt es dann noch eine atmosphärische Szene zwischen allen Beteiligten und das wohl ungünstigste Auftreten eines alten Bekannten: Morgan. Dieser hat sich in dieser Staffel gemausert und ist nicht mehr mit dem Verrückten aus den Vergangenheit vergleichbar. Ich bin äußerst gespannt, wie es mit seiner Entwicklung und vor allem der Beziehung mit Rick weitergeht.

bis demnächst
Chris