Isaac Asimov: Die Stahlhöhlen – Buch Review

Wer sich für die Zukunft, Science-Fiction oder Robotik interessiert, wird an Isaac Asimov nicht vorbeikommen. Mag man ihn hauptsächlich aufgrund seiner drei Robotik-Gesetze kennen, so steckt hinter seinem Lebenswerk doch sehr viel mehr. Die Stahlhöhlen ist das vierte Buch (chronologisch betrachtet) und folgt den Kurzgeschichten Sammlungen  Ich, der Roboter (1950), Geliebter Roboter (1957) und Der Zweihundertjährige (1976). In diesen kam bereits Asimovs Talent zum Vorschein Geschichten zu erzählen, die zwar in einem größeren Kontext eingebettet sind, jedoch die aktuelle Handlung nie aus dem Blick verliert. Er zeigt auch, dass es in der Science-Fiction um weit mehr geht, als Raumschiffe, Alien-Rassen und stille Explosionen.

Doch worum geht es eigentlich? So genau will ich darauf nicht eingehen, da es viel spannender ist, alles für sich selbst zu entdecken. Aber Die Stahlhöhlen hat nichts mit dem gemein, was man klassischer Weise von einem Science-Fiction Roman erwartet. Vielmehr handelt es sich um einen Kriminalroman, der zufälligerweise in der Zukunft spielt. Genauer genommen im 30. Jahrhundert. Über die letzten Kurzgeschichten konnte man miterleben, wie die Menschheit soweit gekommen ist, bzw. deutlich sehen, warum die Erde in einem solch desolaten Zustand ist. Was ist passiert?

Das es in Asimovs Geschichten um Roboter geht, die mit den drei Grundgesetzen der Robotik ausgestattet sind, dürfte hinlänglich bekannt sein. So sind die ersten Kurzgeschichten auch darauf ausgerichtet zu zeigen, was alles unter diesen Gesetzen möglich ist. Nun nehmen sie nur noch eine Nebenrolle ein im Gesamtkontext der Mordermittlungen des Protagonisten Elijah Baley. In den letzten Jahrhunderten hat es Entwicklungen in verschiedene Richtungen gegeben. Zu einer früheren Zeit haben sich viele Menschen auf den Weg in den Weltraum gemacht und Planeten, sowie Raumstationen kolonisiert. Sie werden als Spacer bezeichnet. Da sie sich schon lange, über Generationen hinweg, im Weltraum befinden, haben sich ihre physischen Eigenschaften, den fremden Bedingungen bereits etwas angepasst. Sie können mehr oder weniger deutlich von den Erdbewohnern unterschieden werden. Auch leben sie mit Robotern zusammen. Die Maschinen sind nützlich und werden auch kontinuierlich weiterentwickelt. Bereits an dieser Stelle kann man ahnen, auf welche Probleme Baley stoßen wird. Dies liegt vor allem auch an dem Partner, den ihn die Spacer zur Verfügung stellen und mit dem er zusammenarbeiten muss.

Doch irgendwann in der Geschichte gab es einen Bruch und die Menschen haben aufgehört zu kolonialisieren, wodurch sich zwei Fraktionen entwickelt haben, die sich aus dem Weg gehen: die Spacer und die Erdbewohner. Auf der Erde haben sich Roboter nur spärlich durchgesetzt. Zwar werden sie hier und da verwendet, doch nur unter Protest bzw. aus einer Not heraus, da es einfacher ist, Robotern manche Arbeiten zu überlassen. Städte haben sich zu Stahlhöhlen entwickelt, die unabhängig sind von ihrer Umgebung. Menschen gehen nicht mehr an die frische Luft, in die Natur oder überqueren Länder zu Fuß. Sie haben sich eingekesselt in ihren riesigen Städten, die sie eventuell sogar beabsichtigen, zu Super-Städten, zusammen zu schließen. Man mag sich als vergleich Mega City One aus Dredd vorstellen, nur eben um einiges moderner und automatisierter.

Es ist immer wieder erstaunlich, welche gesellschaftliche, technische und ökonomische Entwicklungen Asimov in den 50er Jahren im Kopf hatte. Seine Vision von der Zukunft ist durchtrieben von, auch heute noch, verständlichen und nachvollziehbaren Entwicklungen. Selbst Konsequenzen, die Generationen von Spacern mit sich bringen, hat Asimov bedacht und in die Geschichte eingebaut. Selbst die Mentalität der Menschen ist nicht so weit von unserer entfernt, auch wenn man als Leser*in natürlich hofft, dass es nie soweit kommen mag. Geld ist zwar ein System der Vergangenheit, doch was an seine Stelle getreten ist, ist ebenso wenig wünschenswert.

Zwei Probleme hatte ich jedoch mit dem Buch: Erstens konnte ich mir lange nicht konkret vorstellen, wie die Städte und Strukturen aussehen. Die Spacer haben außerhalb von New York, wo die Geschichte spielt, eine Art Basis eingerichtet, durch die sie mit der Erde in Kontakt bleiben. Diese Basis wird Spacetown genannt und lange hatte ich die Vorstellung, Spacetown wäre eine Raumstation. Doch handelt es sich dabei eher um ein kleines abgeschlossenes Gebiet. Zweitens hätte ich mir gewünscht, dass Asimov für die ihn aktuelle Zeit (also die 1940er und 50er) eine andere Bezeichnung findet als “Mittelalter”. Es wäre interessant zu wissen, welcher Begriff im Englischen verwendet wird, dieser dürfte aber ähnlich zu “medieval times” sein. Es gibt ja bereits eine Epoche, die als Mittelalter bezeichnet wird, es klingt also wenig nachvollziehbar, dass es ein zweites geben soll. Sonst verwendet Asimov auch eigens kreierte Begriffe bzw. bettet bekannte in einen neuen Kontext. Gleiches hätte ich mir an dieser Stelle ebenfalls gewünscht.

Bis auf diese beiden Sachen, ist Die Stahlhöhlen aber ein gelungener Kriminalroman. Auch die bereits oben erwähnte Einbettung in Asomivs Roboter-Zyklus funktioniert wunderbar. Zwar greift er sie nur am Ende auf, wo er eine mögliche Entwicklung andeutet, die man dann eventuell im nächsten Teil wieder findet. Doch mehr benötigt es auch nicht. Der nächste, fünfte Teil, trägt den Titel Die nackte Sonne.

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