The Walking Dead Season 6

Ende Oktober startet die siebte Staffel von The Walking Dead, also der perfekt Zeitpunkt die Highlight der sechsten Staffel Revue passieren zu lassen…

Dieses Review kann Spuren von Spoiler enthalten!

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Quelle: https://i.ytimg.com

Wenn man sich die sechste Staffel von The Walking Dead ansieht, könnte man meinen, dass die Autoren versuchen, dieses Mal etwas anders zu machen als bisher. Das Standard-Prozedere war dadurch geprägt, dass unsere Gruppe sich in einem mehr oder weniger sicheren Platz zur Ruhe setzen möchten, nur um dann doch von Zombies überrannt zu werden. Zwar passiert dies hier weiterhin, doch zu guter letzt bleibt Alexendria doch ihre Heimat. Die Wände stellen sich als ein ziemlich stabiles Konstrukt heraus (zugegeben, es gibt Verbesserungspotential) und wenn nicht in nächster Zeit zufällig ein Governor auf der Bildfläche erscheint oder wieder ein Turm einstürzt, der von ein paar butzend Zombies begleitet wird, sollte es einigermaßen sicher sein – natürlich davon abgesehen, dass es diverse Feinde außerhalb des Compounds gibt, die in die Stadt wollen.

  • Developed by Frank Darabont
  • Cast: Andrew Lincoln, Norman Reedus, Steven Yeun, Lauren Cohan, Chandler Riggs, Danai Gurira, Melissa McBride
  • Musik: Bear McCreary
  • Executive producers: David Alpert, Scott M. Gimple, Greg Nicotero, Robert Kirkman u.a.
  • Erstausstrahlung: 12. Oktober 2014 auf AMC

Es scheint über die gesamte Staffel hinweg weniger Zeit zu vergehen. Dies kann natürlich auch eine subjektive Wahrnehmung sein, da sich der Rezensent die gesamte sechste Staffel in zwei Tagen angesehen hat. Da kann der Blick auf so manche Details durchaus verschwimmen. Vor allem die erste StoryArc, die in einer Zombie-Invasion gipfelt, scheint von Stunde zu Stunde erzählt zu werden. Dies tut der Spannung jedoch keinerlei Abbruch. Es ist eine intensive Seherfahrung und das emotionale Highlight, beim dem sich die gesamte Stadt endlich dazu durchringen kann gemeinsam gegen die Bedrohung vorzugehen, bringt eine Gänsehaut, nach der anderen. Nach diesem Ereignis wird angedeutet, dass ein paar Wochen vergangen sind – so konnten die Macher Carls Genesung überspringen und ihn direkt zurück in die Action bringen bzw. als geeigneten Babysitter einsetzen. Warum sich die Autoren Wege einfallen lassen müssen, um die Handlung etwas zu strecken bzw. dichter gepackter zu erzählen, wird in dem unten eingefügten Video hervorragend dargestellt.

Die beiden anderen Punkte greifen eigentlich etwas ineinander. Es gibt vermehrte Charakterkonzentrierte Episoden und Episodenübergreifende Entwicklungen. Besonders die bisher eher zurückhaltenden Einwohner Alexandrias realisieren, in welcher Welt sie nun überleben müssen. Da die Aktion, die Zombies aus der Umgebung wegzubringen, gezwungenermaßen scheitert (wer dachte von euch wirklich, dass dies gut ausgehen würde?), bleibt ihnen nichts anderes übrig, als Ricks Gruppe zu unterstützen bzw. die Stadt zu verteidigen, während diese sich um die Horde kümmert. Rick mausert sich währenddessen zu einem halbwegs menschlichen Anführer, auch wenn er weiterhin darauf aus ist, Menschen zuerst zu töten und danach die Fragen einfach nicht zu stellen. Dianas Tod und ihre letzten Worte an ihn sind äußerst bewegend und es bleibt nur zu hoffen, dass der weitere durchaus positive Einfluss von Morgan ihn schließlich dazu bringen kann, nicht alles und jeden einfach umzubringen, der sich ihnen in die quere stellt (wobei hier das Finale seine Einstellung doch verteidigt, aber dazu später mehr). Natürlich hilft es da nicht gerade, wenn sein Sohn Carl angeschossen wird und ein Auge verliert. Diese Szene kam so überraschend und hat den ersehnten Schockmoment mehr als getroffen. Bis zur nächsten Episoden war nicht ganz klar, ob Carl nun wirklich tot ist.

Apropos Tode: Dass Glenn nicht stirbt, war mir nicht erst durch die Spoiler-haltigen Tweets von einigen Idioten klar, die sich einfach nicht zurückhalten konnten. Die Szene war einfach nicht glaubhaft gefilmt worden. Sein plötzlich suizidaler Kollege ist dermaßen offensichtlich auf ihn gefallen, dass man es nicht absichtlicher hätte inszenieren können. Außerdem war der Container hinter ihm auch sehr präsent – der schmächtige Glenn passt leicht darunter.
Weit mehr geschockt und überrascht hat dagegen der Tod der wunderbaren Denise. Die neue Ärztin in der Stadt war ein fabelhafter Charakter, aus dem man noch sehr viel hätte herausholen können. Ihre Entwicklung von der ängstlichen schüchternen Frau, die kaum wagt ihr Patienten anzufassen, ist über die wenigen Episoden die sie uns erhalten blieb, eine starke, durchsetzungsfähige Person geworden. Sie lässt sich nicht einmal davon abhalten in Lebensgefahr zu geraten, nur um für ihre für ihre Freundin eine Soda aus einem Zombie besetzten Auto zu holen. Ganz davon zu schweigen, dass eine lesbische Frau die Vielfältigkeit der Gruppe nochmal um einiges erhöht hat. Was aber noch mehr schockiert, als ihr eigentlcher Tod, ist die Sinnlosigkeit dahinter. Einfach so tritt sie ab. Zwar mit einer tollen Rede, aber mehr auch nicht. Ich muss jedoch gestehen, dass ich mich etwas schuldig fühle. Denn Denise hat sich zu einer meiner Lieblingsfiguren entwickelt und dies ist normalerweise ein Todsicheres Zeichen (no pun inteded), dass dieser Charakter innerhalb weniger Episoden stirbt.

Im Gegensatz dazu darf der gute Eugene weiterleben. Diesen Charakter habe ich und werde ich wahrscheinlich auch nie verstehen oder auch nur ansatzweise mögen. Er mag zwar alle 20 Folgen oder so mutiger werden, doch sein Zweck bleibt mir weiterhin verschlossen. Nicht nur ist er ein feiges, vorlautes Arschloch, er beleidigt auch noch Abraham. Mal sehen was aus ihm wird, doch wenn es mit ihm so weitergeht, kann er nicht früh genug abtreten. Entschuldigt, aber das musste jetzt mal raus, weiter mit dem Review…

Kommen wir zu dem wohl friedfertigsten Charakter: Morgan. Über die letzten Staffeln hinweg wurde er, zumindest meiner Wahrnehmung nach, als ein weiterer Badass-Charakter eingeführt und aufgebaut. Sein psychischer Zusammenbruch scheint nur ein weiterer Schritt der Läuterung auf diesem Weg zu sein. Doch stattdessen überraschen die Autoren mit einer Entwicklung, die so nicht vorhersehbar war. Er trifft einen Mann namens Eastman und lernt durch ihn das Mott “Every life is precious” kennen, welches er nicht nur verinnerlicht, sondern auch beinahe naiv danach lebt und handelt. Es ist beeindruckend wie stark ihn sein Mentor geprägt hat. Egal wer ihm auch begegnet, er sieht davon ab unnötigerweise ein Leben zu nehmen, mit dem festen Glauben, dass alles einen Zweck hat – einen bestimmten Sinn erfüllen wird. Bisher hat er auch recht und ich wage es gar nicht zu sagen, aber er mausert sich durchaus zu einem neuen Lieblingscharakter von mir. Und das nicht nur weil er mit seinem Stock einen verdammt coolen Eindruck hinterlässt. Die Ausstrahlung des Schauspielers Lennie James, gepaart mit guten, tiefgreifenden Monologen und einer konsequenten Charakterzeichnung, machen ihn interessant und auch etwas mystisch.

Zu guter Letzt kommen wir noch auf Carol zu sprechen, die eine ähnliche Entwicklung wie Morgan durchmacht. Sie war bisher, wie es Rick so schön ausgedrückt hat, “a force of nature”, die alles und jeden, der sich ihr oder ihrer Gruppe in den Weg stellt, beseitigt und neutralisiert. Besonders die Phase, in der sie mit Maggie entführt wird und mit dem Rosenkranz herum spielt, wirkt beeindruckend. Eine Kombination aus weiser Voraussicht bzw. Kalkül und ehrlichem Leiden, machen sie zu einer Figur, mit der man sich identifizieren oder mitleiden kann. Auch wenn mir die Zahl 18, für Tode, für die sie sich direkt verantwortlich zeichnet, etwas gering erscheint, so nagen sie an ihr und führen schließlich dazu, dass sie nach der Entführung aus dem Lager abhaut. Wenn Morgan sie finden wird, woran eigentlich kein Zweifel bestehen dürfte, könnten die beiden ein fantastisches Duo werden.

Ansonsten weist die Staffel wieder die typische hohe Qualität auf, mit der man mittlerweile bei The Walking Dead auch rechnen kann. Da die Serie insgesamt etwas ruhiger zu werden scheint und etwas von dem bisherigen Tempo zurücktritt, können die gewaltigen, stimmungsvollen Bilder noch besser wirken und vor allem der Score oder besser gesagt seine Abwesenheit an den geeigneten Stellen, führen zu einem intensiven Erlebnis.

Doch bevor wir dann in die Pause entlassen wurden, durften wir noch Negan kennen lernen. Er bedroht die Bewohner von Hilltown und entführt schließlich die gesamte Gruppe rund um Rick. Am Ende wird angedeutet, dass jemand von ihm, mit seinem schrecklich schönen Baseballschläger getötet wird. Ich bin sehr gespannt wie sich das alles auflösen wird. Bald geht es weiter…

2 Replies to “The Walking Dead Season 6”

    • Chris

      Am kommenden Wochenende geht es endlich mit der siebten Staffel weiter. Bin sehr gespannt, wie die Negan-Storyline in der Serie umgesetzt wird.

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