The Walking Dead: Swear

The Walking Dead: Season 7 Episode 6

Diese Woche wartete The Walking Dead mit einer großen Überraschung auf. Wir kehren nämlich nicht zu einer der vier bekannten Communitys zurück, sondern folgen Tara (und ganz ganz kurz auch Heath), wie sie am Strand eine neue Gruppe entdeckt. Damit wird die Welt von TWD ein weiteres Mal erweitert. Die beiden Charaktere sind wegen zweierlei Dinge äußerst spannend zu beobachten: Zum einen haben wir sie seit Monaten nicht mehr gesehen, nicht einmal im Finale der sechsten Staffel waren sie dabei, wenn ich mich richtig erinnere. Zum anderen haben sie nichts von Negan und seiner Tyrannei mitbekommen. Sie haben keine Ahnung, dass Glenn, Abraham und natürlich Denise gestorben sind.

Dieser spoilerhaltige Artikel kann Spuren von Spoiler enthalten!

“None of you had to. You just did it.” – Tara

thewalkingdead_s7e6Die auf einen Charakter bzw. eine Gruppe konzentrierten Episoden von The Walking Dead sind zu einem Markenzeichen in dieser Staffel geworden. Zum Glück besitzen die Autoren die Fähigkeit, Charaktere, die dem geneigten Zuschauer teilweise seit über einem halben Jahr nicht mehr begegnet sind, sofort sympathisch zu machen. Sie schaffen es, dass diese Charaktere wieder wichtig werden und man mit ihnen mitleidet. Das meiste, womit sich Tara bisher in mein Gedächtnis gebrannt hat, habe ich zum Großteil schon wieder vergessen. Allerdings habe ich doch immer ein gewisses Bild von ihr im Unterbewusstsein. Bei ihr wäre es ihre Beziehung und Liebe zu Denise, die bis zu ihrem Tod in der letzten Staffel einer meiner Lieblingsfiguren war. Tara entwickelt sich für mich nun in die selbe Richtung (nur hoffentlich ohne einen sinnlosen oder auch tragischen Tod). Innerhalb dieser einen Episode ist sie wichtig, eine zentrale Figur und als Zuschauer, egal was man vom Rest hält, spielt sich Alanna Masterson in unsere Herzen. Sie kann eben doch eine Folge tragen.

Doch worum geht es eigentlich?

Heath und Tara sind mit dem Van unterwegs, um Lebensmittel und andere Dinge für die Gruppe in Alexandria zu sammeln. Dabei müssen sie an einer Brücke halt machen. Der Fluß darunter fließt direkt ins Meer, was später noch einmal wichtig wird. Was folgt ist eine der coolsten Zombieszenen in dieser Staffel. Denn die Straße wurde nicht nur durch Container blockiert, sondern auf der gegenüberliegenden Seite auch mit einem gewaltigen Sandhaufen, indem Tara eine schwere Tasche findet, die potentiell Munition beinhaltet, die, wie die beiden ja noch nicht wissen, sehr dringend in ihrer Heimat benötigt wird. Doch wie sich herausstellt ist es eine Falle, denn darunter eingeschlossen sind dutzende Zombies, die die beiden nun angreifen. Es ist eine sehr stimmungsvolle Szene und meine Komplimente an die Maskenbildner, die sich mit den Sandzombies selbst übertroffen haben. Leider wird Tara von der Menge an Zombies von der Brücke gestürzt und Heath von ihr getrennt. Ich greife jetzt einmal kurz vor, da wir später in einer Szene mit Tara feststellen, dass Heath nicht von den Zombies überwältigt wurde, sondern fliehen konnte. Ich finde es schade, dass zuerst angedeutet wurde, dass Heath gestorben sei und es dann doch jemand anderes ist (also es sich um einen so genannten Fake-out handelt). Es hätte von Mut gezeugt, wenn sich die Autoren getraut hätten, vor allem deshalb, weil wir Heath sowieso nicht gut kennen. Doch wahrscheinlich spielt da auch eine Rolle, dass Heath Afroamerikaner ist und sich die Serienmacher, dann wieder einiges hätten gefallen lassen müssen. Immerhin gab es ja in der Vergangenheit schon Tendenzen, wer das Zeitliche segnet.

Nach dieser Eröffnungsszene begleiten wir erst einmal zwei Mädchen, die am Strand Zombies töten. Rachel, eine vielleicht zehnjährige, die sich durch verstörende Tendenzen hervortut, die sehr an Lizzie erinnern. Irgendwie wäre es schon witzig, wenn auch Rachel schlussendlich von Carol getötet werden würde. Cindy auf der anderen Seite ist älter, zwar auch widerspenstig und nicht sehr von der Autorität ihrer Großmutter überzeugt, allerdings ist sie sympathisch rebellisch und zwar nicht auf die Psycho-Vibe-Weise. Zuerst wollte Rachel Tara töten, doch Cindy überzeugt sie, dass sie Tara helfen – geben ihr sogar zu etwas zu Essen, Trinken und versorgen sie mit einem Speer. Die Szenerie hat mich sehr an Lost erinnert und einen Bunker hätte man hier ruhig noch einbauen können.

Bereits an dieser Stelle erfährt man, dass es sich bei dieser Gemeinschaft nicht wirklich um eine freundliche handelt. Immerhin sagt Rachel: “We are supposed to”. Sie sollen also nicht nur Zombies, sondern auch Eindringlinge bzw. Fremde töten, um den Schutz des Lagers zu gewährleisten.

Nachdem sie von den beiden Mädchen versorgt wurde und ihnen erfolgreich vorgespielt hat, sie sei ohnmächtig, schleicht Tara ihnen mit dem Speer bewaffnet nach. Dort macht sie eine äußerst beeindruckende Erkundungstour und beinahe hätte es so ausgesehen, als sei sie unbemerkt durch das Lager gekommen. Die Art wie ihr die Kamera folgt, ohne Musik, schmale Bäume zwischen ihr und ihren Feinden gehört mit zu den spannendsten Szenen. Vor allem lernt man, ohne Dialog sehr viel über die Community. Ein gutes Beispiel der Devise: Show, don’t tell! So besteht diese nur aus Frauen und Kindern. Was ist mit den Männern passiert? Sie scheinen gut organisiert zu sein und wohnen in Containerhütten. Als sie dann Tara entdecken stellt sich heraus, dass sie äußerst großzügig mit Waffen ausgestattet sind (was für ein Zufall, jetzt wo Ricks Gruppe alle Waffen an Negan verloren hat). Schließlich haben sie auch noch ein Ablenkungssystem für Zombies, was ihnen die Möglichkeit gibt, diese in Ruhe abstechen zu können. Alles in allem also eine scheinbar perfekte Einöde, wo man sich durchaus für einige Zeit zur Ruhe setzen könnte.

Tara mausert sich insofern als ein fantastischer Charakter, da sie jede Menge Witz mitbringt, jedoch trotzdem intelligent und überlegt vorgeht. Sie lässt sich nicht lange Täuschen und nimmt die Situationen, vor allem ihre spätere Gefangenschaft nicht sonderlicht ernst bzw. scheint es so, als ob sie mit ihren Peinigern spielen würde. Natürlich kann es sich dabei um Verdrängungsmechanismen handeln, aber die Schauspielerin transportiert es äußerst glaubhaft und lässt es cool, geradezu entspannt wirken. Woran man sich stören könnte, wäre die Unterhaltung zwischen ihr und Nantanja, der Anführerin der Gruppe. Tara denkt sich nämlich eine Geschichte aus und da Nantanja vom Fischen erzählt, nimmt sich unsere Protagonistin dies als Vorbild und behauptet, sie und Heath wären die letzten Monate auf einem Frachter unterwegs gewesen. Dies muss natürlich schnell auffliegen, sie hat ja keinen Plan vom Fischen und definiert auch das Schiff falsch. Da hätte sie sich ruhig etwas besseres einfallen lassen. Aber irgendwie erkennt man ihr auch an, dass sie ihnen gerne die Wahrheit erzählen will.

Dies tut sie später auch insofern, als dass sie den Vorfall an der Satellitenstation schildert. Die Gruppe von Nantanja wurde ebenfalls von Negan überfallen und jeder Mann und jeder Junge über 10 Jahren von ihm getötet. Warum er das getan bleibt unklar, allerdings trägt es eindeutig zur Legendenbildung rund um Negan bei. Ein Gedanke, der mir bei der Geschichte von Nantanja gekommen ist war, dass die Männer in der Station ihre Männer waren und so quasi Ricks Gruppe für ihren Tod verantwortlich sind. Dies würde eine interessante Dynamik in die Serie bringen, vor allem wenn es um den späteren Krieg gegen Negan kommt. Wem werden sie helfen?

Die Frauen sind eine ziemlich hinterhältige Bande. Denn sie entscheiden sich scheinbar Tara Laufen zu lassen. Da sie und Cindy sich etwas näher gekommen sind und ich an dieser Stelle eine zukünftige Beziehung nicht ausschließen möchte, wird sie von der Aktion, Tara ein Stück zu begleiten, ausgeschlossen. Denn sie soll hinterrücks erschossen werden. Dank Cindy gelingt ihr die Flucht. Bedauernswert ist nur, dass Cindy sie nicht begleitet, denn durch den Verrat an ihrer Großmutter wird sie sicher keine schöne Zukunft dort haben.

Ein weiteres Highlight der Folge ist Taras Rückkehr nach Alexandria. Sie findet eine schicke Sonnenbrille und sogar ein Wackelkopf-Geschenk für Denise. Die Szene, wie sie die Straße hochläuft, gut gelaunt und bereit, alles was ihr in die Quere kommt tapfer entgegen zu treten, ist sehr inspirierend – Tara in a nutshell. Doch Eugene begrüßt sie Wortlos mit der schrecklichen Nachricht.

Die sechste Folge von The Walking Dead hat sicherlich die ein oder andere Schwäche. Allerdings macht Taras Geschichte nicht nur Spaß, sondern ist auch spannend erzählt. Vor allem ihre Erkundungstour durch das fremde Camp und ihre allgemein positive Grundeinstellung stecken an. Hoffentlich dauert es nicht zu lange, bis wir ihr wieder begegnen. Das nächste Mal sollte eigentlich wieder The Kingdom auf dem Plan stehen – wenn ich mich nicht wieder täusche. Interessant wird dann, wie das Mid-Season-Finale ausfällt, denn so ein richtiger Konflikt oder auch ein Punkt an dem man nun die Erzählung unterbrechen könnte, ist derzeit nicht in Sicht.