The Walking Dead: Go Getters

The Walking Dead: Season 7 Episode 5

Wie letzte Woche erwartet, betreten wir diese Woche die Gefilde des Hilltop und bekommen dabei einen Einblick geliefert, was sich dort in den letzten Tagen abgespielt hat. Der Fokus liegt deutlich auf Maggie und überraschenderweise auf Carl, der einen wichtigen und äußerst spannend Handlungsbogen der Comics in Gang setzt, den ich allerdings nicht weiter Spoilern möchte.

Dieser spoilerhaltige Artikel kann Spuren von Spoiler enthalten!

“For now, I’m your Negan.” – Simon

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© AMC

Bevor das typische Intro von The Walking Dead anfängt, sehen wir Maggie, wie sie das erste Mal seit Glenns und Abrahams gewaltsames Tod wieder aufwacht und sich von ihrer Krankheit erholt hat. Die Sequenz ist sehr stimmungsvoll gestaltet – wie so oft in den letzten Episoden. Sie kommt vollkommen ohne Musik auf, weist hauptsächlich ruhige Momente auf und verlässt sich auf die Talente der Schauspieler. Das Kunststück gelingt, denn so fragt man sich als Zuschauer nicht nur, ob Maggie das Baby verloren hat, sondern verfolgt gespannt, was mit Glenn und Abrahams Leichen passiert ist. Später in der Sequenz spielt der Chef von Alexandria, Gregory, eine wichtige Rolle und tut sich erneut nicht nur als inkompetenter, arroganter, diebischer “Anführer” hervor, sondern auch noch als Feigling und vieles mehr. Gregory ist die negativste Figur, die man sich nur vorstellen kann – wer etwas positives an ihm entdeckt, soll mir bitte schreiben. So will er, dass nicht nur Maggie aus Hilltop verschwindet, sondern auch Sascha die sie begleitet hat. Was Gregory an dieser Stelle zusätzlich zu einer solch traurigen und unsympathischen Figur macht ist, dass er nicht einmal erkennt, dass Sascha nicht von Hilltop ist. Er interessiert sich nicht für die Bewohner und gibt sich keinerlei Mühe, sie kennen zu lernen. Dies weist stark darauf hin, dass er kein gewählter Anführer ist, sondern sich selbst quasi dazu ernannt hat. Im Auftakt der fünften Episode steckt schon viel drin, was in den kommenden 40 Minuten vertieft und weiter ausgebaut wird. So ist es unterhaltsam den langsamen Zerfall von Gregorys Herrschaft zuzusehen und wie Maggie, nicht nur von Jesus (den wir nun auch endlich wieder sehen), in die Position einer Anführerin “gedrängt” wird.

Nach dem Intro machen wir einen kurzen und in dieser Folge auch einzigen Ausflug nach Alexandria. Rick diskutiert mit Carl, dass er Alexandria für kurze Zeit verlassen muss, um nach Hilltop zu gehen und “Besorgungen” für die nächste Opferung Negans zu machen – sein Sohn darf allerdings nicht mit und soll sich um seine Schwester kümmern. Die Kamera ist dabei allerdings nicht auf die Charaktere konzentriert, sondern auf eine Dartscheibe, an der Carl gekonnt vorbei schießt und die Mauer malträtiert. Für einen kleinen Augenblick bekommt man die Hoffnung es gäbe ein Team-up zwischen Carl und Michonne, doch diese setzt sich wenig später ebenfalls ab, um wahrscheinlich ihren Schießübungen nachzugehen. Nach den traumatischen Erfahrungen, die die ganze Gruppe hat machen müssen überrascht es, dass Rick Carl alleine lässt und ihm keine Stütze bietet. Auch wenn Carl natürlich eine verdammt starke Persönlichkeit hat, würde ich meinen Sohn in dieser Zeit nicht allein lassen wollen. Denn wenn er anfängt sich selbst Wege aus der Trauer und eventuell auch Überforderung zu suchen, kann dabei nichts Gutes am Ende rauskommen. Ein weiterer Punkt der mich an Ricks Vorgehen stört, ist seine scheinbare Abhängigkeit vom Hilltop. Natürlich kann er dorthin gehen und versuchen ein paar Nahrungsmittel zu besorgen, doch hauptsächlich würde ich mehrere Suchtrupps losschicken. Diese sollen die gesamte Umgebung absuchen. In den Comics finde ich dies um einiges besser umgesetzt, als aktuell die Serie es macht. Hoffentlich sehen wir nächstes Mal ein wenig mehr Einsatz – doch ich nehme an, dass wir dann erstmal zum Kingdom zurückkehren.

Verständlicherweise lässt sich das alles nicht bieten und verlässt Alexandria Richtung Hilltop. Dabei begegnet er am Zaun Init, die er bereits das letzte Mal etwas näher kennen gelernt hat. Die beiden bilden ein wunderbares Paar und sind, was die restlichen Ereignisse anbelangt, so etwas wie ein kleiner Hoffnungsschimmer, innerhalb der Episode. Immerhin bieten sie eine Art unschuldige Liebe, küssen sich sogar. Bis auf einen Vorfall an einer Tankstelle begegnen sie auch keinem Zombie, was ihnen die Möglichkeit bietet einmal in der Apokalypse auch Kinder sein zu können. Unterstützung erhalten sie von zwei Paar Rollschuhen, die sie zufällig am Straßenrand finden. Es sind tolle Szenen und man merkt den Schauspielern an, dass es Spaß gemacht hat, einmal zwischendurch etwas anderes als Furcht, Mut und Ärger spielen zu müssen. Einzig die Frage, wer sich in Carls Abwesenheit um die kleine Judith kümmert, bleibt unbeantwortet.

Auf dem Hilltop gibt es die Tradition, dass man die Toten verbrennt und nicht beerdigt. Laut Gregory soll dies Fortschritt signalisieren und die Menschen mehr oder weniger traurige Erinnerungen ersparen. Sascha hat dieser Tradition, sie kommt ja auch aus Alexandria, widersprochen und die beiden Leichen in einer stillen Ecke beerdigt. Es ist eine spannende Frage, wie man mit den Toten einer Gesellschaft umgehen soll, vor allem wenn diese Gesellschaft dem Tod so konstant und in so grausamer Weise ausgesetzt ist, wie es in The Walking Dead der Fall ist. Am besten ist es wohl, wenn dies die Angehörigen oder die nächsten Menschen des Toten entscheiden. Aber ein allgemein gültiges Gesetz, wie es Gregory versucht umzusetzt, empfinde ich als wenig sinnvoll.

Ein Element, was in dieser Episode besonders seltsam Anmutet, ist die Tatsache, dass es auf dem Hilltop keine Bewohner mehr zu geben scheint. Denn außer den bereits genannten Figuren, sehen wir lediglich zwei weitere namenlose Charaktere. Besonders als die Saviors ihr “Signal” schicken, dass sie bald kommen werden, hätte ich zumindest Schreie oder einen Weinen erwartet. Stattdessen gibt es einen leeren Platz mit einem laut Musik abspielenden Auto und Zombies die durch das offene Tor kommen. Bewohner sucht man vergebens. Und wer bewacht überhaupt das Tor?!

Dafür begegnet man am nächsten Tag umso mehr Saviors, die zu dutzenden die Anlage und vor allem Gregorys Haus in Beschlag nehmen. Da Ricks Gruppe die bisherigen Verhandlungsführer getötet hat, muss sich Simon neu etablieren und stellt klar, dass er von ähnlichem Kaliber ist, wie Negan – oder zumindest so tut. In der Zwischenzeit versteckt Jesus die beiden Frauen Maggie und Sascha, da die Saviors denken, sie wären zum einen Tod und zum anderen, dass die Bewohner Alexandrias nichts mit Hilltop zu tun hat. Auffällig ist dabei die freiwillige und scheinbar kompromisslose Ergebenheit von Gregory. Zugegeben, in dieser Situation bleibt einem nicht viel übrig, allerdings wirken seine Handlungen verstärkt demütig, durch das Vorwissen aus den ersten Szenen. Das Fass zum Überlaufen bringt allerdings, dass er den Saviors verraten hätte, wo sich Maggie und Sascha verstecken, hätte Jesus nicht zwei Schritte weiter gedacht und am vereinbarten Ort nicht wertvollen Alkohol versteckt, den nun Simon stolz Negan präsentieren kann. Diese Handlung war wohl der letzte Nagel in Gregorys Sarg.

Die Folge endet damit, dass sich Carl und Jesus auf einem der Transporter begegnen, mit denen die Saviors gekommen sind. Carl will blutige Rache nehmen und Jesus herausfinden, wo sich deren Hauptquartier befindet. In den Comics, so viel sei verraten, war es nur Carl, der den Weg zu Negans Reich findet – übrigens auf ähnlichem Wege. Wie nun Jesus und Daryl in diese Geschichte mit verwoben werden bleibt abzuwarten.

Nach fünf Episoden lässt sich sagen, dass sich The Walking Dead weiterhin auf einem guten Niveau befindet und ich die wöchentliche Dosis bevorzuge. Ich bin ja relativ spät auf dem The-Walking-Dead-Zug aufgesprungen (ich glaube es war bei Staffel 5) und habe die Staffeln alle gebingewatched (ist das ein Wort?). Wöchentlich kann man das Geschehene besser reflektieren und verarbeiten. Natürlich spielt auch die Vorfreude und das Rätselraten, was denn weiter passieren wird, eine wichtige Rolle. Bis zur Weihnachtspause bleiben uns noch drei Episoden, dann hätten wir auch schon wieder die Hälfte der neuen Staffel gesehen.