Kanan – The Last Padawan

Ich habe mich der ersten beiden Ausgaben der neuen Marvel Comic Reihe “Kanan: The Last Padawan” angenommen. Sie ist Teil der neuen Star Wars Offensive und gehört auch zum neuen, offiziellen Kanon. Da sie eine Art Prequel zur Animationsserie Rebels darstellt, war ich sehr gespannt auf die Geschichte.

  • Writer: Greg Weisman
  • Artist: Pepe Larraz
  • Colors: David Curiel
  • Letterer: VC’s Joe Caramagna
  • Cover: Mark Brooks

“I asked questions to better understand why a decision was made … I never questioned the decisions themselves.” – Caleb Dume

Vor kurzem habe ich mir die Serie Star Wars Rebels angesehen. Deren Handlung setzt ca. 15 Jahre nach Episode III ein und verfolgt die Abenteuer rund um eine zusammengewürfelte Truppe und deren Schiff “The Ghost”, welche versucht im galaktischen Imperium zu überleben und sich gegen dieses stellt. Der Truppe Anführer ist Kanan, ein Jedi. Diese Tatsache hat er aber lange Zeit verborgen, bis ihm ein junger, begabter Bursche namens Ezra begegnet.

Der Comic wiederum setzt direkt nach der Verkündung der Order 66 ein, welcher von Imperator Palpatine an die Klonsoldaten ausgesendet wird. In den Filmen wird in einer relativ kurzen, aber eindrucksvollen Sequenz die Abschlachtung der Jedi gezeigt. Ich habe mich immer gefragt, ob es nicht doch einigen gelungen ist zu fliehen und unterzutauchen. Genau deshalb finde ich die Prämisse von Kanan: The Last Padawan so interessant. Wie war es für die ausgestoßenen Jedi nach der Gründung des Imperiums? Wie haben sie überlebt?

Kanan #1

“…form follows function. Function may be found in form.” – Depa Billaba

Zu Beginn der Ausgabe gibt es ein schönes Panel, welches die gesamte Besatzung der Ghost zeigt. Sie sind auf dem Weg zu ihrer nächsten Mission nach Kaller befindet und die Erwähnung dieses Namens ruft eine Erinnerung von Kanan wach, denn diesen Planeten kennt er nur all zu gut.

15 Jahre zuvor hat er mit seiner Meisterin Depa Billaba Seite an Seite mit den Klonsoldaten um genau diesen Planeten gekämpft. Die Separatisten haben den General Kleeve entsannt, um sich den Planeten anzueignen. Anscheinend mit Leichtigkeit gelingt es den Jedi mit ihrer Armee die Droiden zu besiegen und von Planeten zu vertreiben.

Hier erkannt man auch schon eine der Stärken des Comics: die stilvollen Zeichnungen. Kampfsequenzen sind exzellent in Szene gesetzt. Man behält immer den Überblick, auch wenn sich noch so viele Charaktere im Panel befinden und wenn die Jedi mit ihren Lichtschwertern Blasterschüsse abwehren und diverse Droiden zerlegen, kann man die typischen Geräusche hören. Auch die auftretenden bunten Spezies und die unterschiedlichen Kostüme sehen fantastisch aus.

Nach dem Sieg sitzen Caleb Dume (so heißt Kanan eigentlich), Depa Billaba und zwei Klonsoldaten an einem Lagerfeuer, welches durch ein gekonntes Spiel mit Licht und Schatten dynamisch wirkt, wann kann die zarte Wärme förmlich auf der Haut spüren. Alle unterhalten sich prächtig, es herrscht eine ausgelassene Stimmung und es werden Witze gemacht. Dann erhält einer der Soldaten eine Mitteilung – die Order des Imperators. Dieser Moment, auch wenn er absehbar war, ist schockierend. Gerade noch feiert man zusammen den Sieg über die Droiden, da kommt der Befehl, die Jedi auszulöschen. Natürlich ist an diesem Punkt das Heft zu Ende, denn was wäre eine Geschichte ohne gekonnten Cliffhanger.

Vor der Sequenz mit dem Lagerfeuer, sieht man die beiden Jedi unter anderem auch beim gemeinsamen Training und Depa Billaba unterrichtet ihren Schützling nicht nur im Umgang mit dem Lichtschwert, sondern gibt zwischendurch auch immer mal wieder Ratschläge und die gewohnten Weisheiten an ihn weiter. Solche Szenen sieht man, wie ich finde, viel zu selten. Ich würde gerne die komplette Ausbildung eines Jedi mitverfolgen. Welche Lektionen werden ihm erteilt? Wie erhält er seine unterschiedlichen Aufgaben und sind alle Beziehungen zwischen Meister und Schüler so innig wie der zwischen Anakin und Obi-Wan? Zwar erhält man in der Serie “The Clone Wars” immer mal wieder Einblicke in andere Meister-Schüler-Beziehungen, doch dies sind auch immer nur kurze Ausschnitte und werden nicht über längere Zeit verfolgt. Ich hoffe in der zweiten Ausgabe mehr davon zu sehen.

Kanan #2

“What do you do? What you have to do to live in the actual galaxy with the rest of us miscreants. You lie. You cheat. You steal. You survive.” – Janus Kasmir

Die erste Ausgabe hat sich viel um Fragestellungen gedreht. Kanan hat immer wieder Dinge hinterfragt, die er nicht verstanden hat, wie zum Beispiel gewisse Entscheidungen und Verhaltensweisen. Ein Kalleraner hat den Unterschied zwischen der Republik und Separatisten hinterfragt. Nun gehen wir einen Schritt weiter und die Frage heißt einfach nur: Wie kann ich allein in der Galaxis überleben?

Meine Hoffnung die Meister-Schüler-Beziehung besser erforschen zu können, hat sich relativ schnell in Luft aufgelöst und Caleb muss erst einmal herausfinden wie er überleben kann. Immerhin steht er auf der Liste der meist gesuchten Personen der Galaxis und bisher konnte er sich immer auf einen Meister verlassen, der ihm den Weg gezeigt hat.

Auf seiner Flucht begegnet er einem Kalleraner, den er schon zuvor getroffen hat – Janus Kasmir. Etwas wiederwillig hilft er dem Jungen und bietet ihm Unterschlupf, zumindest für eine Nacht. Ich hoffe wieder auf eine genauere und länger anhaltende Zusammenarbeit zwischen den beiden, auch wenn es am Ende nicht ganz danach aussieht. Aber der neue Charakter erscheint interessant und er könnte dem jungen Jedi einiges beibringen, was nicht am Stundenplan im Jedi-Tempel steht. Auch gibt es wieder eine Referenz auf Episode III und zwar die Ansprache Obi-Wans an die Jedi, dass sie sich verstecken und unter keinen Umständen zum Jedi-Tempel zurückkehren sollen. Ich finde dieses einweben von bekannten Geschehnissen äußerst spannend, da es einem eine bessere Möglichkeit gibt, alles zeitlich einzuordnen und wenn es so organisch geschieht wie hier, könnte es ruhig noch mehr davon geben – die wahrscheinlichkeit dafür ist jedoch relativ gering, da Episode III zeitlich betrachtet bald endet und nicht mehr viele Referenzen übrig bleiben (eventuell Mustafar und eine gewisse, große Raumstation).

Ich bin nach zwei Ausgaben sehr begeistert von Kanan: The Last Padawan. Es ist eine äußerst Kurzweilige Serie, die den Mythos Star Wars weiter erforscht und neue Charaktere einführt, die bisher noch nicht in einem der Filme aufgetaucht ist. Bitte mehr davon!

Viel Vergnügen
Chris